Almut Adler

Atmosphärisch inszenierte Wintermärchen

 

(Alle Fotos: © Almut Adler)

 

Almut Adler lebt als freie Fotografin und Autorin in München und Andalusien. Mit ihrer Kamera hat sie schon viele Reisen durch Afrika, Amerika, Asien und natürlich Europa unternommen. Heute leitet sie Fotokurse für Frauen in München und Köln und veranstaltet Fotoworkshops in Spanien. Als Fotoexpertin schreibt sie für verschiedene Zeitschriften und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Wir freuen uns, dass die viel beschäftigte Profifotografin, auch im Bereich (Winter-)Landschaften, sich Zeit zum quucy-Gespräch genommen hat, um über die Faszination und Herausforderung der Fotografie von Winterlandschaften zu berichten. Wie auch Dir Bilder verschneite Märchenlandschaften gelingen, erklärt sie Dir.

 

 

quucy: Liebe Almut Adler, was gefällt Ihnen so an der (Winter-)Landschaftsfotografie?

Almut Adler: Winterlandschaften faszinieren mich, weil sie durch Farbreduzierung Ruhe implizieren und weil die Vorherrschaft von Weiß Sauberkeit und Unschuld symbolisiert. Raureif, vereiste Blätter, Eisblumen an Fensterscheiben, verschneite Winterlandschaften, Bäume im Schneekleid, Eiszapfen an Hausdächern: Es gibt unzählige Wintermärchen, die sensibel in Szene gesetzt werden können.

quucy: Wo liegt für Sie die besondere Herausforderung in diesem fotografischen Bereich?

Almut Adler: Diese liegt in der Reduzierung. Winterlandschaften warten nicht auf mit üppigen Farben. Das Monochrome wirkungsvoll in Szene zu setzen oder atmosphärische Dichte zu erzeugen, darin liegt der besondere Reiz. Dazu gehört weder eine besondere Technik noch ein spezielles Equipment. Dazu gehören lediglich Winterkleidung und warme Schuhe mit gut isolierten Sohlen. Feingefühl und Ruhe sind nötig, um das fotografische Auge „ankommen“ zu lassen, um zu beobachten, um eine Windböe zu sehen, die Schnee aufwirbelt und Nebel erzeugt, einen Sonnenstrahl, der vereiste Flächen glitzernd verzaubert. Das kann mit einem Makroobjektiv, einer 50mm Festbrennweite oder einem Teleobjektiv festgehalten werden. Entscheidend ist immer nur das Wie. Wegen der hohen Lichtwerte würde ich mit der geringsten ISO-Zahl 100 fotografieren, was mit einem Teleobjektiv und der dadurch längeren Belichtungszeit grenzwertig sein kann.

quucy: Wie setzt man winterliche Landschaften am besten in Szene?

Almut Adler: In einer vorherrschend weißen Landschaft würde ich Kontraste setzen etwa durch Bäume oder farbliche Nuancen suchen, sonst kann es langweilig werden. Abhilfe schaffen kann der orange Schnabel eines Schwans oder ein Rechen vor einer blauer Wand. Oder ich mache bewusst ein Low-key-Foto, das kann auch sehr schön aussehen. Die Gefahr bei zu viel Weiß ist, dass uns der Belichtungsmesser der Kamera eine falsche Zeit vorgaukelt. Die Reflexion des Schnees enthält mehr Lichtinformationen, als eigentlich vorhanden ist. Fazit: Das Foto ist unterbelichtet und Schneelandschaften sehen deshalb schmuddelig aus. Oder, je nach Kameraeinstellung, reißen die Weißflächen aus, das heißt, sie haben keinen Grundton mehr. Bei zu hellen Schneeaufnahmen korrigiere ich die Belichtungswerte ins Minus, bei schmuddeligem Schnee in Richtung Null oder gar ins Plus. Das funktioniert am besten im Modus M oder mit der +/- Korrektur. Die Vollautomatik eignet sich dafür hingegen nicht.

 


quucy: Worauf achten Sie speziell in Bezug auf Lichttechnik?

Almut Adler: In Bezug auf die Lichttechnik oder Technik generell kann man sich ganz schön verrückt machen. Natürliches Licht ohne viel Technik reizt mich hingegen viel mehr. Dazu gehört, das Licht genau zu beobachten, besondere Lichtsituationen wie eine Goldader zu entdecken. Sei es bei Nachtaufnahmen, im Gegenlicht oder sei es der einzigartige Lichteinfall auf einem Objekt – alles muss fotografisch ins rechte Licht gerückt werden. Gelegentlich kommt es vor, dass ich indirekt blitze, mit Taschenlampen experimentiere oder Reflektoren anwende, weil sich damit besondere Effekte erzielen lassen. Aber im Großen und Ganzen verzichte ich auf Kunstlicht, wann immer es geht. 

 

quucy: Wo finden Sie Ihre Motive, oder anders gefragt: Wo hat Sie die Fotografie bereits überall hingeführt?

Almut Adler: Motive wachsen auf jedem Baum, man muss sie nur wie Früchte pflücken können. Motive finden heißt, diese erst einmal sehen. Das Finden ist für FotoanfängerInnen die größte Herausforderung. Die fotografische Technik ist relativ schnell zu erlernen, aber um Motive zu entdecken, bedarf es einer längeren Schulung. Und wie heißt es so schön „Reisen ist die beste Schule“. Diese Schule habe ich mir auf meinen Reisen um den Globus zunutze gemacht. Schon 1974 reiste ich alleine um die Welt und sah Dinge, die es heute so gar nicht mehr gibt. Diese Veränderungen mitzuerleben und zerstörte Landschaften zu sehen, halten mich jetzt eher davon ab, an geliebte Orte von einst zurück zu kehren. Ich bin froh die Welt in jungen Jahren bereist zu haben, das gibt mir die heutige Ruhe und Gelassenheit.

quucy: An was für einem Projekt arbeiten Sie derzeit? Könnten Sie ein wenig darüber berichten?

Almut Adler: Momentan ist ein neues Buch in der Planung. Zudem möchte ich meine Workshops in Spanien weiter auszubauen und arbeite an Experimenten mit der Lichtmalerei. Auftragsarbeiten nehme ich nur noch wenige an. Denn meine Leidenschaft ist das Schreiben und meine Workshops. Ich liebe es, mein Wissen weiter zu vermitteln, junge Talente zu „schmieden“ und sie zu fördern.

quucy: Wir wünschen Ihnen bei allen Ihren Vorhaben alles Gute! Vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

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