Christine Ellger

Von leuchtenden Früchten und rauchenden Schoten

 

(Alle Fotos: © Christine Ellger)

 

Die Fotografie ist Christine Ellgers Hobby und wird immer mehr zur Passion. „Mit der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung habe ich die Möglichkeit, meine gestalterische Fantasie und Kreativität umzusetzen“, erklärt Christine Ellger. Als Hobbyfotografin hält sie ihre Ausstattung so einfach wie nur möglich. Welche Ausrüstung und Hilfsmittel sie für ihre ansprechenden Frucht-Fotografien verwendet, wie ihre Bilder entstehen und was die Fotografin an der Food-Fotografie fasziniert, darüber spricht Christine Ellger im quucy-Gespräch.

 

„Mit meinen Fotos halte ich die vielen schönen Dinge fest, die ich sehe. Dabei bevorzuge ich Motive, die durch Licht, Farbe und Formen bezaubern“, stellt die Fotografin klar. Diese optischen Vorzüge springen ihr bereits im Supermarkt ins Auge. Obst wie Beerenfrüchte stehen Christine Ellger dabei als interessante Bildobjekte fast ganzjährig zur Verfügung.

 

„Da ich Hobbyfotograf bin und bleiben werde, halte ich meine Ausstattung so einfach wie nur möglich“, erklärt Christine Ellger. So nutzt sie gerne die Möglichkeit, auf ihrem Küchentisch Früchte zu fotografieren und deren Ästhetik darzustellen. Dafür verwendet sie das vorhandene Tageslicht, das durch ihr Küchenfenster hereinscheint, und arbeitet mit einem einfarbigen Pappkarton als Hintergrund. All ihre Fotografien versucht sie klar und verständlich zu gestalten. „Dabei halte ich mich in der Regel an bestimmte Gestaltungsprinzipien wie zum Beispiel die Drittel-Regel oder eine durchdachte Linienführung.“

Entstehungsgeschichten

 

Auf Bildern von anderen Fotografen hat Christine Ellger gesehen, wie toll es aussieht, Zucker über Obst zu streuen. „Er verleiht dem Motiv Spannung, das wollte ich auch ausprobieren.“ Gesagt, getan: Für ihre „Vitamine“-Aufnahme (großes Bild oben), auf der reife rote Himbeeren und Blaubeeren auf einem Löffel liegend abgebildet sind, wie auch generell für ihre Fotografien arbeitet Christine Ellger am liebsten ohne viel Technik. „Ich verwende bloß die wenigen Mittel, die mir zur Verfügung stehen“, betont sie. Dazu gehören ihre Kamera, ein Stativ, das bei ihren Langzeitbelichtungen notwendig ist, und diverse Objektive – wobei ihr Liebling für Food-Fotos eine Zoomlinse ist, die Brennweiten von 28-135 mm abdeckt.

 

Vor dem schwarzen Papphintergrund befestigte sie den Löffel zwischen zwei Büchern, legte die Früchte darauf und postierte die Kamera auf dem Stativ vors Motiv. Dann wählte die Fotografin die Belichtungszeit aus (Einstellung: automatische Belichtung) und stellte den Selbstauslöser ein. Das Experiment begann, als Christine Ellger während der Belichtung den Zucker auf Him- und Blaubeeren rieseln ließ. „Ich streute so lange Zucker darüber, bis ein weicher weißer Schimmer auf dem Foto zustande kam“, verdeutlicht sie. Das nahm mehrere Anläufe mit unterschiedlichen Belichtungszeiten in Anspruch. Am Ende lag die Verschlusszeit zwischen einer und zwei Sekunden. Außerdem entschied sie sich für eine kleine Blende, damit ihr Bild eine möglichst weite Schärfentiefe erhielt. Wenn das Nachmittagslicht, das bei diesem Bild von rechts oben kam, nicht ausreicht, verwendet Christine Ellger ein Stück helle Pappe als Reflektor. „Damit lassen sich sachte Effekte erzielen“, erklärt sie.

 

 

Für „Lampionblumen“ ging die Fotografin einen anderen Weg: Abends, als es dunkel war, legte sie zwei Physalis auf ihren Wohnzimmertisch auf ein transparentes Deckchen. Darauf stellte sie auch ihre Kamera, an die Christine Ellger ein Makroobjektiv schraubte, um ganz nah an ihr Motiv heranzukommen. Zwei LED-Leuchten wurden hinter die Früchte platziert. „Damit wollte ich erreichen, dass nur die filigranen Physalis-Blätter hervorgehoben werden.“ Durch die fast transparenten Blätter, durch die das Licht scheint, sieht es tatsächlich so aus, als ob die Früchte leuchten.

 

Grundsätzlich überarbeitet Christine Ellger ihre Fotos am Computer. Das liegt einmal daran, dass sie im RAW-Format fotografiert. Des Weiteren ändert sie den Bildzuschnitt oder geht soweit, dass sie aus zwei Bildern eines macht, wie sie anhand eines Fotos verdeutlicht: „Als Hintergrund für das Motiv ‚Herbst-Design’ habe ich ein zweites, im Wald aufgenommenes Foto verwendet. Durch diese Montage erhält die Aufnahme den Charakter eines Gemäldes.“ Für die Fotografie der Chilischoten hingegen ist der Rauch „echt“. „Ich bin Nichtraucherin, musste mir jedoch für dieses Motiv Zigaretten beschaffen und diese unter Volldampf unter das Motiv legen“, berichtet sie amüsiert.

 

Experimentierfreude gepaart mit inspirierenden Bildern anderer Fotografen führen bei Christine Ellger zu Ideen für ihre Fotos. Aber auch durch Vorbilder in der Malerei, Monet oder andere Impressionisten, findet sie Anregungen. „Mit den Augen lernen“, lautet ihr Tipp, den sie abschließend gibt. Und auch wenn ein fotografisches Experiment nicht gleich auf Anhieb klappt, sollte man sich nicht entmutigen lassen, weiß die Fotografin aus eigener Erfahrung. <ck>

 



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