Claudia von Boch

Die Abbildung eines Raums ist eine Komposition

 

(Alle Fotos: © Claudia von Boch, aus „Frauen & ihre Refugien", Bild unten aus „Vom Glück mit Büchern zu leben")

 

Vor mehr als 25 Jahren begann ihre fotografische Laufbahn in den USA. Seitdem ist Claudia von Boch als freischaffende Fotografin für Lifestylemagazine und Buchpublikationen tätig. Sie fotografiert Gärten, Interiors und Reiseberichte. Im quucy-Gespräch möchte sie Dir unter anderem Näher bringen, wie tolle Aufnahmen von Interieurs gemacht werden und welche Ausrüstung sie dafür verwendet. Die Fotografin sprich mit uns auch über aktuelle Projekte wie das Buch „Vom Glück mit Büchern zu leben“.

 

quucy: Was fasziniert Sie an der Fotografie von Interieurs?

Claudia von Boch: Die Langsamkeit. Beim Fotografieren geht es um Wahrnehmung. Einen Raum oder eine Landschaft wahrzunehmen, ein Bild von außen in sich hineinzulassen, um dann sein eigenes Bild zu komponieren. Langsames Fotografieren gefällt mir. Bei Aufträgen ist natürlich möglichst viel in möglichst kurzer Zeit, also Effizienz erwünscht.

quucy: Wo liegen besondere Herausforderungen bzw. Schwierigkeiten in diesem fotografischen Bereich?

Claudia von Boch: Im Interieur-Bereich habe ich es mit Mischlicht und unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu tun, die ich „unter einen Hut“ bringen muss. Ein dunkler Raum und gleichzeitig Fenster, durch die helles Licht scheint, oder Lampen: alles Quellen für Überbelichtung. Entscheidet man sich für die Arbeit mit Tageslicht, oder nimmt man auch das wärmer temperierte Kunstlicht der vorhandenen Lampen mit hinein. Mischlicht kann interessant sein, kann aber auch eine Stimmung stören, ja zerstören.


Auch wenn ich einen wunderbaren Standpunkt gefunden habe, von dem aus der Raum an sich am besten zur Geltung kommt, präsentiert sich genau hier die Sitzgruppe im ungünstigen Winkel, steht der Fernseher dominant im Vordergrund, oder eine Fensterfront gibt den Ausblick auf den Teil der Terrasse frei, wo die vertrockneten Oleanderbäume, der Rasenmäher und die Kinderfahrräder abgestellt wurden.

Was das Auge übersieht, eine Kabelleitung mit Sammelsteckdose etwa, Aktenordner unter der Heizung oder das versteckte Faxgerät hinter dem Schreibtisch: nimmt die Kamera gnadenlos alles auf, und deshalb heißt es grundsätzlich, erst einmal genau hinzuschauen, auf- und umzuräumen.


quucy: Was ist charakteristisch für Ihre Bilder, wie entstehen diese?

Claudia von Boch: Die Abbildung eines Raums ist eine Komposition. Wichtig sind das Licht, die Farben und der Rahmen. Daher gehe ich zuerst durch die Räume, schaue, von wo nach wo das Licht wandert und mache von verschiedenen Standpunkten aus „Schnappschüsse“ aus der Hand, quasi eine Skizze, ehe ich mich für eine Perspektive entscheide. Wenn ich den richtigen Standpunkt gefunden habe, richte ich mein Stativ und die Kamera ein. Wichtig sind die horizontalen und vertikalen Linien. Bei Altbauten mit hohen Decken hat man meist schöne senkrechte Linien, das Bild strahlt dadurch Ruhe aus. Bei Neubauten hingegen kommen die tieferen Decken oft im wahrsten Sinne des Wortes störend „in die Quere“.


Mich beschäftigt bei einer Aufnahme besonders lange der Rahmen. Schneide ich das Bild so an, dass man noch einen Durchblick in den dahinter liegenden Raum hat, oder endet das Bild hinter dem Türrahmen? Nehme ich den Kronleuchter ganz auf das Bild und den darunter stehenden Tisch im Anschnitt, oder entscheide ich mich für den darunter stehenden Tisch in der Totalen, habe dafür aber nur einen halben Kronleuchter? Diese Überlegungen nehmen bei mir viel Zeit in Anspruch. Denn es stört mich, wenn ein Bild keinen Rahmen hat.

 

 quucy: Welches Licht eignet sich am besten für die Fotografie von Interieurs? Welche Objektive, welche Hintergründe und welche weiteren Hilfsmittel verwenden Sie?

Claudia von Boch: Am liebsten arbeite ich mit dem vorhandenen Licht. Kunstlicht setze ich nur sparsam ein und nur indirekt zur Ergänzung des vorhandenen Lichts. Geblitzt wird gegen die gegenüberliegende Wand oder Decke. Ein Stativ und Fernauslöser ist notwendig, da ich beim Fotografieren mit dem vorhandenen Licht mit Langzeitbelichtung arbeite. Belichtungszeiten von 10 Sekunden und mehr sind normal. Ich benutze Brennweiten ab 20 mm. Die meisten Aufnahmen sind mit Brennweiten um 35- 50 mm und mehr gemacht. Weitwinkelobjektive unter 20 mm dokumentieren zwar viel Raum, aber sie verzerren ihn auch und schaffen keine Atmosphäre, es sei denn, man setzt Verzerrung als Stilmittel ein. Sehr viel zum Einsatz kommt bei mir auch ein Reflektor.

quucy: Können Sie etwas über aktuelle Projekte berichten?

Claudia von Boch: Gerade ist unser neuer Bildband „Vom Glück mit Büchern zu leben“ erschienen, den die Autorin Stefanie von Wietersheim und ich für den Callwey Verlag produziert haben. Wir haben in diesem Buch Autorinnen und Autoren, Verleger, Buchkritiker- und Buchliebhaber interviewt, porträtiert und in ihren Räumen fotografiert. 20 Persönlichkeiten, darunter die Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg, Oliver Jahn, der Journalist und Chefredakteur der AD ist, und die Autorin Ildikó von Kürthy sowie viele andere erzählen darin von ihrer Liebe zur Literatur. In einem Fragebogen am Ende des Interviews erfährt der Leser unter anderem von Klassikern, die zu Tode langweilen, Büchern, die ein Leben veränderten, und Büchern, die die Teilnehmer am liebsten selbst geschrieben hätten. Ein spannendes Projekt, das uns die letzten anderthalb Jahre begleitet hat.

quucy: Vielen Dank für das Gespräch.

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Ganz aktuell findest Du Claudia von Bochs Fotorafien im Buch „Mütter & Töchter - Wie wir WOHNEN und was uns VERBINDET". Dieses stellen wir Dir in unseren Buchtipps bei uns vor.

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Den Buchtipp findest Du hier bei uns. Und unter frauen-und-ihre-refugien.de bekommst Du noch nähere Infos zu der Fotografin und Autorin des Buches.