Claudia Wycisk

Blick in die Seele der Porträtierten

 

(Fotos: © Claudia Wycisk)

 

Die meisten ihrer Aufnahmen sind Schwarz-Weiß gehalten. Warum das so ist, wie die junge Fotografin Claudia Wycisk zu ihrer Leidenschaft gefunden hat und an welchen SW-Projekten sie aktuell arbeitet oder was sie plant, darüber spricht die Künstlerin mit uns im Interview. So viel sei bereits an dieser Stelle verraten: Sie engagiert sich mit der Fotografie für krebskranke Kinder und arbeitet an der Verwirklichung eines Bildbandes. Dafür sucht sie noch einen Verlag.

 

quucy: Liebe Claudia Wycisk, wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Claudia Wycisk: Als ich 2007 meine Heimat Thüringen wegen Liebe und Beruf Richtung Mainz verlassen habe, ließ ich meine zwei Pferde bei meinen Eltern stehen, die ich seitdem alle zwei Woche besuchen fahre. Was inzwischen Gewohnheit geworden ist, war anfangs sehr schwer für mich. Ich erzählte meiner Oma, dass mir meine Pferde sehr fehlen und was es denn für eine Möglichkeit gebe, die Momente mit ihnen festzuhalten. „Werde doch Tierfotografin“, riet sie mit. Obwohl ich eine kleine Kamera besaß, hatte ich nie etwas mit Fotografie zu tun. Aber dieser Gedanke blieb hängen. So kaufte ich mir wieder zurück sofort eine Spiegelreflexkamera. Das war vor ungefähr sechs Jahren. Seitdem ist die Fotografie nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Ich fotografierte zu Beginn tatsächlich viele Tiere, vor allem meine Pferde und den Hund meiner Eltern. Wenig später auch Architektur, Pflanzen und was mir sonst noch alles vor die Linse kam. Irgendwann fing ich dann an, auch Menschen zu fotografieren, zu Beginn meine Familie und Freunde. Einige Zeit später entstand der Wunsch, auch fremde Menschen abzulichten. Daher meldete ich mich in der Model-Kartei als Fotografin an und schrieb ein paar Modelle an, ob sie Interesse hätten, mit mir zu shooten. Das waren die ersten Anfänge in der Menschenfotografie, bevor ich ihr 2009 komplett verfallen bin. Denn darüber kann ich meine kreative Ader ausleben.


quucy: Die meisten Ihrer Menschenbilder sind Schwarz-Weiß. Was fasziniert Sie so an SW-Porträts? Welche Stimmungen transportieren diese besser als Farbfotografien?

Claudia Wycisk: Schwarz-Weiß-Bilder haben mich schon immer mehr gefangen genommen als Farbporträts. Für mich persönlich können SW-Aufnahmen Gefühle besser transportieren als ein Farbbild. Da ich ein absoluter Gefühlsmensch bin und Melancholie in meinen Fotografien oft zum Tragen kommt, ist Schwarz-Weiß für mich ein Gestaltungsmittel, welches ein Gefühl wie zum Beispiel Melancholie, noch besser transportieren kann. Nichts lenkt ab, die Konzentration wird auf das Motiv gelenkt. Selbst in meiner Kamera stelle ich immer den Modus Monochrom ein. Ich habe somit einen besseren Blick auf das Motiv. Wenn ich ganz normal in Farbe aufnehme, lasse ich mich dadurch oft ablenken.


Aber natürlich bleiben nicht alle Bilder Schwarz-Weiß. Wenn ich die Bilder auf meinen Rechner ziehe und öffne, werden sie ganz normal in Farbe dargestellt. Anschließend entscheide ich, ob die Aufnahme farbig bleibt oder ich sie in Schwarz-Weiß umwandle. Erst durch die Postproduction entstehen meine SW-Bilder.


quucy: Aktuell arbeiten Sie an einer SW-Foto-Serie namens „Metamorphose“. Das klingt spannend, bitte erzählen Sie uns etwas darüber. Weiter oben findet sich auch ein Videoclip.

Claudia Wycisk: Gerne. Die Serie entstand eher zufällig, spontan. Ich hatte ein sehr künstlerisches Bild auf Facebook entdeckt von einem Fotografen, den ich gut finde. Das Model hatte etwas auf seine Haut aufgetragen, ich war mir aber nicht sicher, was es genau war. Da mir diese Struktur auf der Haut sehr gut gefallen hatte, überlegte ich, wie ich das Thema auf meine Weise umsetzen konnte. Nach einer Weile kam mir die Idee, weiße Theaterschminke zu verwenden. Um das ganze noch interessanter zu gestalten, entschied ich mich zusätzlich für den Einsatz eines Spinnendekonetzes, wie man es eigentlich zu Halloween zum Dekorieren von Räumen verwendet. Ich verliebte mich geradezu in dieses Material, weil es einfach eine sehr gute Wirkung besitzt.

Als nächsten Schritt schrieb ich eine gute Freundin an. Sie ist für alles Neue, was ich in der Fotografie ausprobieren will, offen und hat direkt zugesagt bei dem Experiment als Model mitzumachen. Brina wurde am ganzen Körper mit weißer Theaterschminke bemalt. Die Haare hatte ich ihr streng zurück zu einem Knoten gebunden. Selbst die Haare blieben von der Theaterschminke nicht verschont.

Wir machten erst Bilder mit hellem Hintergrund ohne Spinnendekonetz. Zwar sind diese ersten Aufnahmen auch gut geworden, jedoch fesselten sie mich noch nicht so. Wir beschlossen also, einen schwarzen Papierhintergrund aufzubauen. Brinas Fingerspitzen färbten wir noch mit schwarzer Theaterschminke ein und träufelten Öl darüber. Durch das Posen und langsame Bewegen unter dem Netz kamen die Hände an den Körper, wodurch ein „Schmutz“-Effekt auf der Haut entstand, was die Komposition noch interessanter gestaltete.

quucy: Wie ging es dann mit der Serie weiter?

Claudia Wycisk: Um das Projekt voranzubringen, entschloss ich mich, ein Paar zu fotografieren. Allerdings verwendeten wir bei diesem Zweier-Shooting keine weiße Theaterschminke mehr, sondern Heilerde. Denn ich wollte noch mehr Struktur auf der Haut haben und kleine Risse. Heilerde erwies sich dafür als perfekt, denn wenn diese am Körper antrocknet und man sich bewegt, gibt das kleine Risse. Es bereitet mir riesigen Spaß, mit verschiedenen Materialen zu arbeiten. Für mich persönlich macht es das so interessant und vor allem sehr künstlerisch, was ich auch erreichen will. Die Lichteinstellung blieb wie bei den Einzelporträts zuvor gleich: Seitlich von oben wurde mit einer 60 x 60 cm großen Softbox beleuchtet.

quucy: Was an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll: Sie haben Anfang 2012 „Players for Children“, ein Hilfsprojekt für krebskranke Kinder, mit ins Leben gerufen und engagieren sich ehrenamtlich. Bitte geben Sie uns ein paar Infos dazu.

Claudia Wycisk: Gemeinsam mit Hair- und Make-up-Artistin Carola Hickl habe ich das Projekt Players for Childrengegründet und mit prominenten Schauspielern eine Fotoproduktion geplant und durchgeführt. Für jeden „Player“ wurde ein spezielles Styling mit Outfit umgesetzt und anschließend fotografisch festgehalten. Dabei war es wichtig, die Bilder nicht gestellt herüber kommen zu lassen, sondern gefühlvoll mit sehr viel Ausdrucksstärke, Charakter und Kraft. Es ist eine Benefizveranstaltung geplant, bei der die entstandenen Fotografien ausgestellt und verkauft werden. Der Erlös dieser Veranstaltung soll der gemeinnützigen Organisation „Elterninitiative für Leukämie- und Tumorerkrankter Kinder Suhl/ Erfurt e.V.“ zu Gute gekommen. Die Organisation benötigt ständig finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung diverser Projekte. Zum Beispiel werden aktuell finanzielle Mittel für die Unterhaltung von Elternzimmern benötigt.


quucy: Das ist eine tolle Sache. Ihr großes Ziel ist es unter anderem, einmal einen Bildband mit Ihren Arbeiten herauszugeben, genauer gesagt über Ihr Künstler-Projekt „The Black Series“. Könnten Sie auch hierzu einen kleinen Einblick geben?

Claudia Wycisk: Das ist richtig. Derzeit bin ich auf der Suche nach einem Verlag, der mich unterstützen möchte, einen Bildband wie „The Black Series“ herauszubringen. Denn ich bin der festen Meinung, dass die Bilder nicht nur online präsentiert werden sollten, sondern in gedruckter Form wie z. B. in einem Buch. Für „The Black Series” werden Menschen vor einem schwarzen Hintergrund porträtiert – einen Einblick gibt es auf meiner Internetseite – mit immer der gleichen Lichteinstellung und in altmodischer Kleidung. Ich möchte daraus eine große Sammlung von Porträts mit nostalgischem Flair schaffen, die den Eindruck vermitteln, aus einem anderen Jahrhundert zu stammen. Der Betrachter soll sich in eine andere Zeit versetzt fühlen. Ganz besonders wichtig bei „The Black Series“ ist die Reduzierung auf das Wesentliche: das Gesicht. Speziell die Strenge und der Ausdruck der abgebildeten Personen sollen im Mittelpunkt stehen. Dass durch die gleiche Gestaltung der Bilder verschiedene Geschichten nur alleine durch den Ausdruck der Modelle erzählt werden können, macht die Serie aus meiner Sicht so besonders.

quucy: Wir wünschen Ihnen dafür ganz viel Erfolg. Denn wir sind auch der Meinung, dass Ihre Fotografien in einen Bildband gehören. Danke für das schöne Gespräch.

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MAKING-OF METAMORPHOSE

Aktuell arbeitet die Fotokünstlerin an ihrer SW-Foto-Serie „Metamorphose“. Mehr dazu erfährst Du weiter unten im quucy-Interview.