Daniel Nimmervoll

Die Highspeed-Fotografie ist wie eine Droge. Es entstehen Formen, die spontan nicht reproduzierbar sind!

 

(Alle Fotos: © Daniel Nimmervoll)

 

Die Highspeed-Fotografie ist vielleicht die fotografische Königsdisziplin. Sie schafft Unikate formvollendeter Ästhetik. Der Österreicher Daniel Nimmervoll beherrscht dieses Metier wie wenige andere und erschafft dank seiner technischen Routine immer wieder neue faszinierende und experimentelle Bilder. Seit diesem Jahr hat er seine Leidenschaft zum Beruf machen können und verrät quucy, welche treibende Kraft hinter seinen Bildern steckt und wie auch Du zum Tropfenkünstler werden kannst!

 

 

quucy: Wie hat die Fotografie, besonders die Highspeedfotografie, Sie für sich einnehmen können? Was ist das Faszinierende?


Daniel Nimmervoll:
Ich war schon immer von Aufnahmen fasziniert, die man im Alltagsstress nicht wahrnimmt. Als ich mir meine erste DSLR-Kamera kaufte, war ich sofort von der Insekten-Makrofotografie angetan. Und so machte ich mich oft um bereits 4:30 Uhr früh mit meiner Kamera auf den Weg zu Biotopen. Dort versuchte ich, Libellen oder andere Insekten und Spinnen im Morgentau in ihrer natürlichen Umgebung formatfüllend abzulichten. Irgendwann stieß ich dann zufällig im DSLR-Forum auf einen Thread, wo Leute Wassertropfenaufnahmen zeigten. Nach meinen ersten Versuchen mit einem Infusionsset hatte ich mir sofort den Tropfenvirus eingefangen und habe angefangen, immer wieder solche Bilder zu machen. Wenn man etwas immer und immer wieder macht, wird man darin automatisch besser. Dazu passt auch der Spruch: „Die ersten 1000 Bilder sind die schlechtesten.“ Die Faszination liegt ganz klar darin den Bruchteil einer Sekunde, in dem diese Wasserskulpturen entstehen, einzufrieren. Die dabei entstehenden Wasserskulpturen sind kaum vorhersehbar und sind damit unique Formen. Man kann zwar durch ändern der Zeiten die Formen beeinflussen, aber das was letztendlich entsteht, darin wirken noch viele andere Faktoren mit ein wie z.b. die Viskosität der Tropfflüssigkeit, die Temperatur, die Fallhöhe, die leichten Luftbewegungen im Raum, usw... womöglich sogar die enorme Anziehungskraft des Mondes.

quucy: Sie haben eine „Einkaufsliste für Wassertropfenverrückte“ erstellt. Was darf auf gar keinen Fall fehlen?


D.N.: Als Equipment ist (neben Kamera, Objektiv und Stativ) zumindest ein Infusionsset und ein Aufsteckblitz notwendig. Ich verwende dafür die Yongnuo YN 560 II Blitze. Diese kosten keine 50 Euro und sind perfekt für die Highspeed Fotografie geeignet. Zum Auslösen des Blitzes kann ein Funksender bzw. Empfänger verwendet werden. Weiteres ist noch eine Acrylglasplatte als Diffusor wichtig. Die Einkaufsliste können Sie hier finden.

 

 

quucy: Was kommt für Sie als Profi an hochtechnologisiertem Equipment dazu?


D.N.: Im Grund kommt da nur mehr das Steuergerät und die Magnetventile dazu. Ich verwende derzeit den GlimpseCatcher. Dieser hat insgesamt 12 Ausgänge. Das heißt, ich kann damit bis zu 11 Magnetventile gleichzeitig auf die Millisekunde exakt steuern. An einem Ausgang wird die Kamera angeschlossen. Diese kann mit diesem Gerät ebenfalls nach einer exakt definierten Zeit ausgelöst werden. Zum exakten Steuern braucht man im Grunde nur dieses eine Gerät. Natürlich ist auch das Licht noch extrem wichtig. Ich sag immer, eine schöne Wasserskulptur sieht im schlechten Licht nicht annähernd so gut aus wie eine misslungene Wasserskulptur im perfekten Licht. Für das perfekte Licht verwende ich daher noch viele weitere Aufsteckblitze. Mittlerweile habe ich insgesamt zehn Blitze mit denen ich diese Liquid Art Aufnahmen beleuchte. Die Blitze bestücke ich dann noch mit unterschiedlichen Farbfolien. Für den Anfang reichen aber auch drei bis vier Aufsteckblitze völlig aus.

 

 

quucy: Was ist ein erfolgversprechendes Shooting-Szenario?

 

D.N.: Hmm... also, erfolgreich finde ich ein Shooting, wenn ich Formen produziert hab, die ich vorher noch nie gesehen habe. So wie z.B. das Bild ganz oben: Diese Form hatte ich unter allen Bildern die ich bisher gemacht habe, nur ein einziges mal erhalten. Und auch seitdem ist diese spezielle Form nicht mehr entstanden. Auch von anderen Tropfenfotografen weltweit habe ich diese Form noch kein einziges Mal gesehen! Genau das ist auch das reizvolle und gleichzeitig die Droge an dieser Fotografie. Es können spontan nicht reproduzierbare Formen entstehen.

 

 

quucy: Haben Sie ein absolutes Lieblingsbild aus der Highspeedfotografie für uns und können Sie uns die Geschichte hinter dem Bild kurz erläutern?


D.N.: Eigentlich habe ich mittlerweile viele Lieblingsbilder. Eines davon ist ganz bestimmt das Bild “The Drop”. Bilder von einem Weinglas vor einem zwei färbigen Hintergrund sieht man in den Fotocommunitys häufiger. Diese Bilder haben mir schon immer recht gut gefallen, und von daher war es naheliegend, auch selber mal einen Versuch zu machen ob ich es ebenfalls schaffe. Natürlich wollte ich noch einen TaT drauf setzen. Das Bild ist schon etwa einen Monat vorher in meinem Kopf entstanden. Wie so oft, klappte es beim ersten Shooting nicht. Ich hatte mir für den Hintergrund ein Bild in 60x40 cm ausarbeiten lassen wo die eine Hälfte gelb und die andere grün ist. Diese stellte ich als Hintergrund auf. Leider hatte ich nicht bedacht, dass sich im Glas das komplette Studio und alles was sich seitlich davon befand spiegelt. Daher habe ich dann in einem 2. Shooting noch zwei weitere Bilder mit den Farben ausarbeiten lassen. Diese Bilder stellte ich dann jeweils eines links und das andere rechts vom Glas auf und so wurde es dann perfekt. In meinem aktuellen Buch “Highspeed Fotografie” können Sie die Setup Bilder und die exakte Vorgehensweise, nachlesen.

 

 

quucy: Besonders faszinierend finden wir Ihre Water Wigs? Wie ist das möglich? Und wie kriegt man solche Bilder tatsächlich ohne große Nachbearbeitung hin?


D.N.: Die Water-Wigs-Aufnahmen wollte ich, seit dem ich den Galileo Beitrag auf Pro7 von Tim Tadder gesehen hatte, schon lange mal versuchen. Vor allem interessierte es mich, ob ich es kann. Mit Helmut Ming, einem weiteren Fotografen, initiierten wir ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem alle Beteiligten eine Menge Spaß und am Ende tolle Bilder hatten. Die Models bekommen für diese Aufnahmen mit Wasser gefüllte Modellier Luftballons um den Hals gehängt. Ich habe mir für diese Aufnahmen ein Kabel zusammen gelötet, das ich dann mit dem GlimpseCatcher verbinde. Einige Liezen vom Minuspol stecken im Wasser vom Luftballon, während ich mit dem anderen Plus Pol in den Luftballon steche. Durch das Wasser entsteht ein Kurzschluss und dieser löst dann über den GlimpseCatcher die Blitze aus. Auf meinem YouTube-Kanal finden Sie ein Making Of Video.

 

 

quucy: Sie bieten auch Kurse an? An wen richten sich die Kurse und was wird den Teilnehmern vermittelt?


D.N.: Ja, ich biete auch Workshops zu meinen Bildern an. Zum einen bin ich bei den Sigma-Workshops in Deutschland, wo wir etwa drei Mal im Jahr einen Kurs ausschreiben, und zum anderen biete ich bei mir zu Hause Einzelcoachings an. Die Einzelcoachings sind zwar für den Teilnehmer etwas teurer, dafür kann ich mich zu 100 Prozent auf diese Person einstellen, um schnellst möglich einen großen Lernerfolg zu erreichen. Auch bin ich dabei völlig flexibel und ich zeige dem Teilnehmer genau das was er auch sehen will. Auf meiner Seite www.nimmervoll.org finden Sie weitere Infos und die noch freien Termine.

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TUTORIAL

Auf seinem YouTube-Channel präsentiert Daniel Nimmervoll übrigens ein hervorragendes Tutorial zur manuellen Wassertropfen-Fotografie! Zur Nachahmung sehr empfohlen!