Exklusive Streettipps von Stefan Maria Rother

An dieser Stelle präsentieren wir Dir regelmäßig einen neuen exklusiven Tipp vom erfahrenen Streetfotografen Stefan Maria Rother. Viel Spaß beim Ausprobieren.  

 

Lösen des Motivs vom Hintergrund – Raumtiefe

Wenn Du die Gesetze der Kameraoptik nutzt, kannst Du ein Vordergrundobjekt vom Hintergrund lösen und damit den Eindruck von Raumtiefe vermitteln. Du erreichst es z.B. mit einer kurzen Brennweite, sodass Dein Vordergrundmotiv vergleichsweise groß abgebildet wird. Wer vor allem mit offener Blende oder langer Brennweite für eine geringe Schärfentiefe sorgt, kann dadurch den Effekt erzielen, dass sich das Vordergrundmotiv scharf vor einem verschwommenen unscharfen Hintergrund abzeichnet. Sehr gern spiele ich so mit den einzelnen Bildelementen und bewirke dadurch eine andere Sichtweise.

 

Fotografieren von Gebäuden – stürzende Linien 

 

Bei der Aufnahme von Gebäuden steht man schnell vor dem Problem der stürzenden Linien. Sie können gezielt für eine dynamische Bildgestaltung eingesetzt werden. Man muss sich dann nur im Klaren darüber sein, dass stürzende Linien die Bildkomposition unruhiger und instabiler wirken lassen. Generell muss man sich überlegen, wo der ideale Standpunkt ist. Oftmals befindet sich der ideale Standpunkt 100, 200 oder gar 500 Meter vom Motiv entfernt. Ist der Standpunkt relativ nah am Motiv, musst Du die Kamera nach oben schwenken, um das ganze Motiv komplett zu erfassen. Bei Aufnahmen von Gebäuden setze ich meistens ein Stativ mit ein. 

Über Stefan Maria Rother

Stefan Maria Rother, geboren 1966 in Essen, hat in New York am International Center of Photography und in Berlin am Berufsausbildungszentrum Lette-Verein studiert.

Rother arbeitet international als Fotograf für Magazine und Unternehmen. Im Mittelpunkt seiner freien Projekte steht die Stadt Berlin und ihre Menschen. Anhand von einzelnen Straßen entsteht ein Porträt der Stadt, das inzwischen sechs Bücher umfasst. Ausgestellt wurden seine Fotografien in den Museen für Kommunikation Frankfurt am Main, Nürnberg und Berlin, sowie zahlreichen deutschen Galerien.

Seit 2010 ist er Lehrbeauftragter für Fotografie an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und Studiengangsleiter für Fotografie an der S.E.T. School of entertainment and technology.

Weitere Infos findest Du auf seiner Website www.stefanmariarother.com

 

Bildtiefe

Von Natur aus reduzieren herkömmliche Fotos die Wirklichkeit auf zwei Dimensionen: Breite und Höhe. Die verlorengegangene dritte Dimension – die Raumtiefe – mit den Mitteln der Kameraoptik und einer bewussten Bildgestaltung wiederherzustellen, ist Aufgabe des Fotografen. Wenn Du die Kamera nur etwas neigst, dass sich eine Verzeichnung ergibt und damit Fluchtlinien im Bild sichtbar werden, so erzielst Du den Eindruck der Raumtiefe. Je steiler die Fluchtlinien abgebildet werden, umso stärker erscheint uns die Tiefenwirkung des Raums und umso dynamischer wirkt die Bildkomposition.

 

Straßenszenen

 

Ein guter Tag für Straßenszenen ist jeder Tag, aber manchmal wähle ich gern einen Samstag aus. Die Menschen haben Zeit, schlendern gern durch die Straßen, besuchen den Wochenmarkt oder verweilen in einem Café. Gern setze ich mich auf eine Bank oder ebenfalls in ein Café und beobachte durch den Sucher meiner Ricoh-Kamera das Geschehen um mich herum. Ich konzentriere mich auf einen „Schauplatz“ und warte geduldig, bis etwas passiert.

STREETPHOTOGRAPHY BUCHTIPPS

Fotobildbände zum Thema Streetphotography findest Du übrigens bei unseren Buchtipps: Road Atlas und von Stefan Maria Rother Kurfürstendamm.

 

 

Menschen bei Großveranstaltungen

Gern gehe ich dorthin, wo sich viele Menschen in ihrer Freizeit aufhalten. Bei solchen Gelegenheiten gehen die Menschen meist sehr gelassen damit um, dass jemand fotografiert. Man sollte sich nur Zeit nehmen und das Treiben vor Ort genau beobachten. Oftmals ergeben sich sehr schöne Motive, die den Betrachter zum Verweilen einladen. Für solche Aufnahmen verwende ich gern eine kürzere Brennweite von 35 oder 50 mm, um die Menschen unter Einbezug des Umfeldes zu fotografieren.

 

Perspektive wechseln

 

Um diese brasilianischen Straßenmusiker ins Bild zu rücken, habe ich die Kamera auf das Straßenpflaster gestellt. Leicht möglich, schließlich dient bei einer Kompaktkamera das Display als Sucher. Wer lieber mit einer Spiegelreflex unterwegs ist, hat dank Live-Bild auf dem Monitor die gleichen Möglichkeiten der Bildkomposition, mit einem Klappbildschirm geht’s noch leichter. Die besondere Perspektive wird durch den dominanten Fuß der Passantin unterstrichen, der Blick des Trommlers stellt eine Beziehung her. Wie bei vielen Aufnahmen kommt es immer darauf an, den richtigen Moment abzuwarten. Übrigens: Mit der Ricoh GR Digital halten einen die Leute immer für einen Amateur – so lief mir die Passantin einfach durchs Bild: herrlich!

PRODUKTEMPFEHLUNG

Perfekt RAHMENLOS präsentieren 

 

Foto: posterjack

 

Von vielen Künstlern hört man immer wieder, dass es schwer sei, einen passenden Rahmen für ein Bild zu finden. Denn ein Rahmen soll die Wechselwirkung zwischen reiner Funktionalität und repräsentativer Wirkung des Bildes reflektieren. Da heute sowohl Stoffe, Folien, Platten, etc. als Bildträger dienen, eröffnet sich eine Fülle neuer Möglichkeiten der Präsentation von fotografischen Abbildunge - z. B. rahmenlos. 

 

Mehr über das Thema "Rahmenlose Präsentation" erfährst Du in unser Sonderserie "Die perfekte Ausstellung", die wir mit Sihl für Dich umsetzen, hier

 

 

Gelegenheiten suchen

Gelegenheiten suchen  Die Streetfotografie lebt vom Kontakt mit den Menschen: Also suche am besten nach besonders belebten Orten. Dieses Foto wurde etwa am Rande des Mauerpark-Flohmarkts an einem Sonntagnachmittag aufgenommen. Die beiden Mädchen bemühten sich darum, den frisch erworbenen Spiegel zu Fuß nach Hause zu schaffen, die Freunde umarmen sich zum Abschied. Diese Parallelität und die Spiegelung fand ich so witzig, dass ich sogar einen anderen Menschen, den ich fotografieren wollte, kurz habe stehen lassen müssen – ihm gefiel die Szene aber auch, und wir mussten später herzlich lachen.

 

Sich unauffällig integrieren

 

Vor einem Plattenladen mit Antiquariat treffen sich jeden Samstag Freunde des Hauses – da sollte ich auch kommen, meinte die Inhaberin, das wäre eine lustige Runde. Und so war es dann auch: mit der Chefin plaudern, während coole Musik läuft – Auswahl gibt es ja genug. Ich gesellte mich einfach dazu. Großer Vorteil: Meine Kamera, die Ricoh GR III Digital, ist extrem kompakt und fällt praktisch nicht auf. Zudem eignet sich ihr 28-mm-Weitwinkelobjektiv besonders gut, um bei Street- und Reportage-Aufnahmen ganz nah dran zu sein.

PRODUKTEMPFEHLUNG

3-Achsen-Gimbal von Walser

 

 

Ganz neu im Produktsortiment von Foto Walser ist der Big Balance Husky HY3M: ein elektronisches Stabilisierungssystem zum Filmen mit Smartphones oder GoPro Actioncam. Dank seiner drei bürstenlosen Motoren gleicht der Gimbal natürliche Bewegungen beim Filmen aus und ermöglicht auch Einsteigern Aufnahmen ohne störende Verwacklungen. Dabei können Filmer je nach Aufnahmesituation zwischen drei verschiedenen Modi wählen.

 

Mehr über dieses Stabilisierungssystem erfährst Du hier.

 

Bewegungsunschärfe nutzen

Solche Aufnahmen gehören zu den Klassikern der Streetfotografie. Bahnhöfe oder Kaufhäuser als Symbol der Großstadt, davor eilende Menschen, die durch eine längere Belichtungszeit verwischen. Etwa eine viertel Sekunde eignet sich gut, um Bewegungsunschärfe abzubilden, aber trotzdem noch Leute zu erkennen. Für solche Fälle sollte man ein Stativ im Gepäck haben. In der Not tut’s aber auch ein Pfeiler, wenn man eine kleine Kamera hat. Darüber hinaus empfiehlt es sich, mit dem Zwei-Sekunden-Selbstauslöser zu arbeiten, um Verwacklungen zu reduzieren.

 

(Alle Fotos: © Stefan Maria Rother)

 


 

Bildschärfe

Außer auf eine korrekte Belichtung zu achten, kommt es bei einer gelungenen Fotografie darauf an, dass das Motiv scharf abgebildet ist. Ebenso wie eine Fehlbelichtung kann auch eine Bildunschärfe dazu führen, dass die wesentlichen Motivdetails nicht deutlich erkennbar sind. In der Streetfotografie gehören manche Arten der Unschärfe jedoch zur kreativen Bildidee des Fotografen.

Bewegungsunschärfe

 

Bei einer längeren Belichtungszeit, wie sie bei schwachem Licht oft erforderlich ist, ziehen Bildelemente, die sich in eine Richtung bewegen, Spuren hinter sich her und haben doppelte Konturen und sind dadurch undeutlich zu erkennen. Je nachdem, wie weit sich das Motiv während der Belichtungszeit bewegt hat, äußert sich diese als mehr oder weniger großer Wischeffekt. Wenn Du diesen Effekt gezielt einsetzt, können beeindruckende Aufnahmen entstehen.

 

Wenn Du aber lieber die Bewegungsunschärfe vermeiden möchtest, um Dein Motiv in der Bewegung „einzufrieren“, kannst Du die Belichtungszeit verkürzen. Damit das Belichtungsergebnis dennoch korrekt bleibt, muss die Blende entsprechend geöffnet oder die ISO-Einstellung erhöht werden. 

 

Verwacklungsschärfe

 

Ein weiterer Unschärfeeffekt kann durch Verreißen oder Verwackeln der Kamera entstehen. Bei längeren Belichtungszeiten reicht bereits eine unruhige Kamerahaltung oder das "normale Zittern" der Hand. In der Streetfotografie tritt Verwacklungsunschärfe oft in der Kombination mit Bewegungsunschärfe auf, da bei längerer Belichtungszeit auch Motivbewegungen Spuren zeichnen. Das Verwacklungsrisiko lässt sich vermeiden, indem Du die Belichtungszeit verkürzt und gleichzeitig die Blende öffnest bzw. die ISO-Zahl erhöhst, um das Belichtungsergebnis nicht zu verändern.

Wenn Du aber gezielt mit einer längeren Belichtungszeit fotografieren möchtest, solltest Du mit einem Stativ und Fernauslöser arbeiten. Denke daran, dass das Verwacklungsrisiko mit zunehmendem Abbildungsmaßstab zunimmt. Je stärker das Motiv vergrößert wird, desto kürzer musst Du die Belichtungszeit auswählen. Und noch ein Tip: wenn Du eine Kamera oder ein Objektiv mit Verwacklungsreduzierung benutzt, dann solltest Du diesen Modus bei Verwendung eines Stativs ausschalten.

 

Schärfenstiefe

 

Wie bereits erwähnt, sind Unschärfen in einem Bild nicht unbedingt ein Merkmal mangelnder Qualität. Ein unscharfer Hintergrund beispielsweise lässt ein scharfes Vordergrundsobjekt erst wirkungsvoll zur Geltung kommen. Es hebt sich nicht nur im räumlichen, sondern auch im übertragenen Sinne vom Rest des Bildes ab.

 

  

Wer darum weiß, wie sich die Schärfentiefe steuern lässt, dem steht ein mächtiges Werkzeug der Bildgestaltung zur Verfügung. Mit einer geringen Schärfentiefe lassen sich Akzente setzen und die Aufmerksamkeit des Betrachters  auf den lenken, was Dir als Fotograf wichtig war. Mehr noch – Du kannst das Bild in mehrere Ebenen aufteilen, die eine Hierarchie der Wichtigkeit abbilden.

 

Das optische Phänomen, mit dem diese Wirkung erzielt werden kann, heißt Schärfentiefe. So bezeichnet  man den Bereich vor und hinter der Einstellebene,  der vom menschlichen Auge auch noch als scharf wahrgenommen wird. Die Schärfentiefe kann unterschiedlich groß ausfallen. Bei einer großen Schärfentiefe werden sowohl weiter entfernte als auch nahe liegende Gegenstände scharf abgebildet. Bei einer geringeren Schärfentief sind nur Objekte im Bild scharf, die in derselben Ebene liegen wie das Objekt., auf das die Kamera scharf gestellt wurde – Gegenstände vor oder hinter der Einstellung werden weniger scharf abgebildet.

 

Je größer die Entfernung der Bildelemente zur Einstellebene, umso konturloser und weichgezeichneter wirken die Objekte.


Generelle Tipps zur Streetphotography

 

Streetfotografie gibt es nicht nur in den Metropolen dieser Welt. Passende Motive findest Du bei Dir „um die Ecke“, und zwar überall dort, wo sich Leben im öffentlichen Raum abspielt. Die Straße ist die Bühne der Streetphotography, belebt oder ruhig, mit oder ohne Personen. Du brauchst nur die Auge offen zu halten und benötigst manchmal auch etwas Geduld.


Tipps zur Ausrüstung

  • Wähle am besten eine kleine Kamera aus, die nicht so auffällt und sich bequem transportieren lässt.

  • Denke daran, Reserve-Akkus mitzunehmen.

  • Besonders gut geeignet für Streetfotos sind Objektive mit kurzer Brennweite zwischen 24 und 35 mm.

  • Ziehe unauffällige Kleidung in gedeckten Farben sowie bequeme Schuhe an.

  • In der Streetfotografie solltest Du auf ein Stativ verzichten.

Generelle Tipps

  • Beobachte Deinen Alltag, um ein Gespür für den Ablauf eines Geschehens zu entwickeln und im richtigen Moment den Auslöser Deiner Kamera zu drücken.

  • Überlege Dir im Vorfeld, welches Licht Dein Motiv optimal zur Geltung bringt.

  • Lege fest, ob Dein Foto in Farbe, leicht entsättigt oder in schwarz-weiß am überzeugendsten wirken wird.

  • Wähle bewusst Deinen Aufnahmestandort, die Aufnahmeperspektive sowie den Motivabstand.

  • Respektiere die Menschen, die Du fotografierst und bedanke Dich für ein erlaubtes Foto (auch wenn Du vorher nicht gefragt hast) bzw. bitte sie um ein Porträt, wenn das Modell dann gelassen genug ist, um nicht direkt in die Kamera zu blicken. 

  • Fotografiere bewusst – auch mal bewusst wenig – und optimiere dann Deine gut fotografierten Ausgangsdateien mit einem Bildbearbeitungsprogramm.

 

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