Hendrik Roggemann

 

Hochzeitsfotografie ist vielleicht die Königsdisziplin der professionellen Fotografie. Menschen, Stimmungen, Locations, wechselnde Lichtverhältnisse und vor allem die Gefühle und die Bindung des Brautpaars müssen festgehalten werden. Hendrik Roggemann erklärt im quucy-Interview, wie er das am besten sicherstellt.

 

 

Hendrik Roggemann ist professioneller und passionierter Hochzeitsfotograf. Und bislang unzweifelhaft  zuverlässig - eine große Tugend in seinem Business. „Schon einmal zu spät gekommen?“ wollen wir wissen? Hendrik Roggemann lacht: „Nein, Gott sei Dank noch nie, dafür plane ich auch viele Puffer ein. Höchstens einmal für das eigene Gefühl. Und einmal stand ich im dicken Stau auf der Autobahn, habe es aber geschafft – andere wichtige Hochzeitsgäste leider nicht. Die standen noch weiter hinten“.

 

quucy: Herr Roggemann, was ist das Besondere an der Hochzeitsfotografie?

Hendrik Roggemann: Die Hochzeitsfotografie beinhaltet fast alle fotografischen Disziplinen von Porträt über Stilllife bis hin zu Action- und Reportagefotografie und erfordert sehr schnelle Reaktionen. Man kann oft nicht genau vorhersehen, was als nächstes passiert, muss ständig wach und auf möglichst alles vorbereitet sein. Und es kommt natürlich besonders auf die menschliche Komponente an! Ich muss trotz all der Technik, die ich zu beherrschen und betreuen habe, dafür sorgen, meinen Draht zum Brautpaar und den Gästen zu behalten. Alle Beteiligten an der Hochzeit - von der Servicekraft bis zum DJ - sind für mich wichtige Verbündete, um die ich mich kümmern muss. Und während ich im Hintergrund nichts dem Zufall überlasse und trotzdem manchmal wild improvisiere, muss für das Brautpaar alles flüssig und entspannt aussehen.

 

(c) hendrik roggemann: "Das Paarfoto wurde mit Blitz etwas dramatischer gestaltet. Eigentlich war es einfach ein grauer Tag."

 

quucy: Wow! Die vielen Nebenschauplätze im Blick zu behalten, ist eine Leistung. Wie kann man sich bereits im Vorfeld auf einen Auftrag vorbereiten?

Hendrik Roggemann: Durch ein ausführliches Vorgespräch mit dem Brautpaar, eine Internetrecherche der Location und eine gut gepackte Ausrüstung, die für alle möglichen und unmöglichen Fälle ausgelegt ist. Außerdem fahre ich immer ziemlich rechtzeitig zur Location, besonders wenn ich sie noch nicht kenne, und bereite dort mein Equipment sorgfältig vor. Ich nenne das, „mein Basislager aufschlagen“.

 

quucy: Die Bilder, die nach einer Hochzeit im Kopf und in den Bilderrahmen bleiben, sind die der Hauptprotagonisten, des Brautpaars! Wie setzt man die Verbindung zwischen den Brautleuten am besten in Szene, ohne sie stark posieren zu lassen?

Hendrik Roggemann: Das geht am besten, indem man sie für eine Zeit aus dem Trubel der Hochzeit „entführt“ und dafür sorgt, dass sie ein bisschen zu sich kommen und „sie selbst“ sein können. Da der Tag sowieso sehr emotional und romantisch ist, muss ich dann meist nicht mehr sehr viel machen. Idealerweise störe ich sie einfach nicht und fotografiere wie nebenbei. Wenn sie Schwierigkeiten haben, sich darauf einzulassen oder vom Tag zu gestresst sind, greife ich manchmal ein und beschreibe die Szene wie ein Regisseur. Ausfüllen müssen sie das immer noch mit ihrer eigenen Persönlichkeit. Aber manchmal fällt es ihnen auf diese Weise leichter.

 

 

 

quucy: An welchen Auftrag erinnern Sie sich besonders gut zurück, weil er so besonders, skurril oder aufregend war?

Hendrik Roggemann: Jede Hochzeit hat etwas Besonderes, an das ich mich oft noch lange erinnere. Das sind dann Fragmente, die mir immer mal wieder einfallen. Eine Braut mit wunderbar leuchtend roten Haaren. Ich samt Kamera mit dem Brautpaar in der Ostsee bei 32 Grad Lufttemperatur. Eine Braut in einem schwarzen Hochzeitskleid. Einfach weil sie es mochte. Ein Bräutigam, der sich von seinen Freunden auf einem Surfbrett tragen ließ. Eine schöne Kutschfahrt gemeinsam mit dem Brautpaar über die Insel Hiddensee. Gerne denke ich auch an ein Paar, das für mich schon vor der Hochzeit im Rahmen eines Fotoworkshops für Hochzeitsfotografen auf Rügen vor die Kamera trat. Wir hatten unglaublichen Spaß und freuten uns dann schon wahnsinnig auf die echte Hochzeit, die dann ebenfalls ganz großartig wurde. Das ist schon einige Jahre her und wir sind immer noch öfter mal in Kontakt, obwohl sie aus einer ganz anderen Ecke von Deutschland kommen.

 

quucy: Was ist charakteristisch für Ihre Bilder?

Hendrik Roggemann: Meine Bilder leben von der Natürlichkeit und der echten Emotion, die ich einfange. Ich bearbeite meine Bilder wenig, weil ich möchte, dass sie zeitlos sind. Oft denke ich beim Fotografieren in Serien, die aus verschiedenen Ansichten und Perspektiven ein Gesamtbild entstehen lassen. Deshalb habe ich mich auch auf die Hochzeitsreportagen, gerne inzwischen auch mit Film, spezialisiert.

 

(c) hendrik roggemann: "Die Braut schreibt ihrem künftigen Ehemann noch einen Liebesbrief ins Zimmer am Ende des Flures. Ich durfte ihn überbringen."

 

quucy: Sie sind bereits viele Jahre als Hochzeitsfotograf tätig und haben im Laufe der Jahre zahlreiche Erfahrungen sammeln können. Die finden sich sehr strukturiert in Ihrem Buch „Professionelle Hochzeitsfotografie“. An wen ist Ihr Buch gerichtet?

Hendrik Roggemann: An Fotografen, die mit dem Gedanken spielen, die Hochzeitsfotografie zum Beruf zu machen. Professionell bedeutet also nicht, dass das Buch erklärt, wie man fotografiert. Das sollte ein Fotograf schon mitbringen. Sondern wie man sich ein berufliches Standbein mit der Hochzeitsfotografie aufbaut und wie die Auftragsabwicklung vom Vorgespräch bis zur Lieferung der fertigen Bilder ablaufen kann. Mir hätte das Buch zu Beginn sehr geholfen, weil ich damals nicht wusste, wie Hochzeiten ablaufen, z.B. im Standesamt oder in der Kirche. Ich war privat nur auf wenigen Hochzeiten, die ich auch noch gleich fotografieren sollte, und brauchte ein paar Jahre, um die Gesetzmäßigkeiten zu verstehen. Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen. Aber ich hoffe, dass das Buch beim Einstieg hilft.

 

quucy: Sie bieten auch Seminare an. Was möchten Sie den Teilnehmern ans Herz legen?

Hendrik Roggemann: Das Seminar, das mir aktuell besonders am Herzen liegt, ist themenübergreifend. Der Titel ist „Clear Vision“ und gemeinsam mit einem weiteren erfahrenen Fotografen coache ich darin Fotografen, die noch (oder wieder) auf der Suche nach ihrer persönlichen Vision sind. Sie fotografieren gerne, das wissen sie…aber wo soll es hingehen? Ausgehend von der persönlichen Zielsetzung beraten wir dann auch bei der Entwicklung der notwendigen Schritte und geben Informationen zu Vertrieb und Online-Marketing, Portfolio und Angebots- und Auftragsabwicklung. Die  Rückmeldungen unserer Teilnehmer nach Seminarende waren, gelinde gesagt, beeindruckend. Unser Seminar scheint Leben zu verändern. Ich bin glücklich!

 

(c) hendrik roggemann: "Eine Auswahl von Brautschuhen...?" 

 

Anm. d. Redaktion: Ein neues "Clear Vision" Seminar ist bereits in Planung. Es wird am 27. und 28. September im Frankfurter Raum stattfinden. quucy hält Sie auf dem Laufenden!

 

 

 

quucy: Lieber Herr Roggemann, wir bedanken uns für das nette Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und viele schöne Hochzeitstage!

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Was die Pflichtschüsse sind und wie Du Dein kreatives Potential auch in der Hochzeitsfotografie ausschöpfen kannst? Mit welchen Mitteln man einen kühlen Kopf bewahrt? Und wie das Business Hochzeitsfotografie funktioniert? Hendrik Roggemann gibt in seinem Buch "Professionelle Hochzeitsfotografie" Tipps für den Einstieg in einen kreativen Beruf. Mehr