Jens Brüggemann

Die Leidenschaft in den Augen des Musikers zeigen

 

(Bilder: Jens Brüggemann)

Der Profifotograf und Buchautor Jens Brüggemann ist unter anderem Spezialist für Konzertfotografie. Im quucy-Gespräch berichtet er darüber, was erstklassige Konzertfotos ausmacht und verrät Dir sein zehn besten Tipps, die Du beim nächsten Gig Deiner Lieblingsband ausprobieren kannst.

 

quucy: Jens Brüggemann, was fasziniert Sie speziell an der Fotografie von Musikveranstaltungen, am Festhalten von Bewegung und Emotionen?

Jens Brüggemann: Bei der Konzertfotografie habe ich nur eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten. Ich kann keine Pose dirigieren, kann kein eigenes Licht setzen, habe keinen Einfluss auf den Ablauf der Handlung beziehungsweise Bewegungen. Das ist das genaue Kontrastprogramm zu meiner sonstigen Arbeit als Werbefotograf, wo ich für alles verantwortlich bin und alles und jeden dirigiere.

quucy: Was macht für Sie ein erstklassiges Konzertfoto aus?

Jens Brüggemann: Zunächst einmal technische Perfektion – was aufgrund der schwierigen Gegebenheiten vor Ort nicht ganz einfach ist. Dann natürlich, ob das Foto Dynamik oder vielleicht auch Freude an der Musik herüberbringt. Schön ist es natürlich auch, wenn der Fotograf nicht nur das Geschehen „abgeknipst“ hat, sondern auch selbst das Foto künstlerisch gestalten konnte.

quucy: Was macht Ihren fotografischen Stil denn aus?

Jens Brüggemann: Ich versuche möglichst keinen Stil zu haben – das finde ich langweilig! Ich versuche abwechslungsreich zu fotografieren und immer wieder mal etwas Neues auszuprobieren.


quucy: Okay :). Dann eine andere Frage: Wie setzen Sie Konzerte, Bewegungen und Emotionen in Szene? Welche verschiedenen Herangehensweisen gibt es da?

Jens Brüggemann: In der Regel weiß der Konzertfotograf vor dem Konzert nicht, was ihn erwartet. Insofern ist jede Planung zum Scheitern verdammt. Man muss flexibel sein und schnell auf die Umgebungsbedingungen reagieren! Vorteilhaft ist es, wenn man seinen Standpunkt ein- oder zweimal wechselt. Meist hat man ja nur drei Lieder Zeit zum Fotografieren, und da muss man schon sehr schnell arbeiten. Ich verwende gerne eine lichtstarke 85mm-Brennweite, um aus dem Pressegraben heraus Einzelporträts zu machen. Solche Musikerporträts wirken meist sehr stimmungsvoll. Man kann gut die Mimik erkennen: Konzentriert der Musiker sich voll auf das Spielen des Instruments, hat er Spaß, blitzt die Leidenschaft in seinen Augen auf, oder versucht er nur „cool“ zu wirken? All das kann man am besten mit solch einem Porträt-Tele einfangen.

quucy: Das Objektiv haben Sie bereits angesprochen: Welches Licht eignet sich am besten zum Fotografieren?

Jens Brüggemann: Bei Konzertfotos darf man kein eigenes Licht verwenden. Insofern muss der Fotograf sich darauf einstellen, was die Lichttechniker an „Lightshow“ vorgesehen haben. Schlimm finde ich es, wenn die Musiker in unvorteilhaftes Licht getaucht werden, zum Beispiel viel grünes Licht auf die Gesichter.

quucy: Wie bereiten Sie sich auf solche Konzerttermine und Ihren Einsatz im Pressegraben vor?

Jens Brüggemann: Es ist hilfreich, wenn ich als Fotograf die Lieder der Bands kenne. Dann weiß ich in etwa, wann Showeinlagen zu erwarten sind, wann der Sänger ans Mikro tritt, wann der Gittarist sein Solo spielt. Fotografisch kann man sich kaum vorbereiten. Man sollte aber darauf achten, dass die Speicherkarten formatiert sind, dass der Akku frisch geladen ist, dass alles griffbereit in der Tasche verpackt ist. Auch sollten die Kamera-Einstellungen direkt vor dem Konzert noch einmal überprüft werden.

quucy: Würden Sie unseren LeserInnen bitte freundlicherweise einige Tipps geben, die Musik, Tanz und Bewegungen einfangen wollen, wie sie das am besten hinbekommen?

Jens Brüggemann:

  • Lichtstarke Objektive verwenden!
  • Regelmäßig, alle 1-2 Minuten, einen kurzen Kontrollblick auf den Monitor werfen!
    Bei Fehlern gegebenenfalls Kameraeinstellungen korrigieren. Anfangs auch mal reinzoomen ins Bild, um die Schärfe zu kontrollieren.
  • Interessante Blickwinkel suchen.
  • Übersichtsaufnahme der ganzen Bühne mit allen Bandmitgliedern genauso machen wie Einzelporträts, auf der die Mimik zu erkennen ist.
  • Experimentieren! Ruhig auch mal die Kamera mitschwenken bei einer längeren Belichtungszeit wie beispielsweise 1/4 oder 1/2 Sekunde.
  • Publikum beim Jubeln und Mitsingen fotografieren.
  • Sich auf bestimmte Motive konzentrieren. Nicht die Ruhe verlieren und alles fotografieren wollen; das geht schief. Gerade, wenn man nur drei Lieder fotografieren darf.
  • Immer auf die Anweisungen der Security hören! Hier geht es auch um die Sicherheit des Konzerts!
  • Schnelle Bilderfolgen hintereinander fotografieren, also zum Beispiel jeweils 2-3 Fotos schnell hintereinander fotografieren. Das Licht ändert sich schnell, und wenn das erste Foto unterbelichtet ist kann das zweite schon überbelichtet sein oder das dritte richtig.
  • Kameraeinstellungen „blind aus dem Effeff“ beherrschen, auch im Dunkeln!

quucy: Wow, das war klar auf den Punkt gebracht. Danke sehr für die Tipps und das Gespräch.

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HOMEPAGE

Weitere Einblicke in die Arbeit des Fotografen findest Du auf seiner Internetseite www.jensbrueggemann.de. Dort findest Du auch sein Workshopprogramm. Im August 2013 veranstaltet er einen zum Thema Konzertfotografie.

JENS BRÜGGEMANN BUCHTIPP

 

Gemeinsam mit Kollegen, allesamt Konzertfotografen, hat Jens Brüggemann ein Fachbuch zum Thema Konzertfotografie veröffentlicht (erschienen im mitp Verlag). Darin zeigen sie Dir, was Du im Bezug auf Technik und Equipment beachten solltest und welche Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten Konzertfotografen trotz der geringen Zeit haben. Genauere Infos zum Fachbuch bekommst Du bei unseren Buchtipps. Bestellen kannst Du es hier