Lars Hillen

Fashion-Shooting im Tauchturm

 

(Fotos: © Lars Hillen)

 

Lars Hillen ist begeisterter Modefotograf. Die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten im Fashion-Bereich gefallen ihm, da seiner Kreativität und Experimentierfreude kaum Grenzen gesetzt sind. Die Fotografie hält für ihn so manche spannenden Herausforderungen bereit und hat ihn schon an einige besondere Orte geführt, darunter in einen 22 Meter tiefen Tauchturm, in dem er ein Modeshooting abhielt. Das hat uns sehr neugierig gemacht. Im quucy-Gespräch sind wir gedanklich noch mal mit Lars Hillen abgetaucht. Er verrät uns, wie er auf die Idee kam, unter Wasser zu shooten, wie er sich auf das Fotografieren in solch ungewöhnlicher Location vorbereitet hat und wie die Aufnahmen selbst abliefen. Vielleicht weckt das Interview Deine Lust, selbst einmal mit der Kamera abzutauchen.

 

quucy: Lars, wie bist Du auf die Idee gekommen, Deine Modeaufnahmen von Land nicht nur ins, sondern unter Wasser zu verlagern?

Lars Hillen: Die Mode-Kollektion, die ich unter Wasser fotografiert habe, trägt den Titel „Abyssal Mind“. Das Konzept von Designerin Anna Wiese war es getreu dem Titel, mit den Outfits den Eindruck des „Aufsteigens aus der Tiefe“ umzusetzen. Die Kollektion soll die Faszination der Tiefe und des Unentdeckten widerspiegeln. Daher war es nahe liegend, die Bilder unterwasser aufzunehmen. Übrigens war es das erste Unterwasser-Shooting für Modell und Fotografen.

 

 

quucy: Magst Du unseren UserInnen noch etwas mehr zur Konzeption der Mode-Bildstrecke berichten?

Lars Hillen: Ausgehend vom Konzept der Designerin entwickelte ich die dazu passende Lichtgestaltung. Mir war es wichtig, dass die Motive in keine romantische, verträumte Anmutung hinein rutschen, wie es oft der Fall ist bei Unterwasseraufnahmen. Ich ließ mich inspirieren von Aufnahmen wie sie von U-Booten oder Tauchrobotern gemacht werden: Auf denen plötzlich für einen kurzen Augenblick ein unbekanntes Tiefseegeschöpf aus dem Dunkel der Tiefe im Lichtkegel des Scheinwerfers erscheint, bevor es wieder verschwindet. 


quucy: Aber bevor Du Deine Bild- und Lichtideen in die Tat umsetzen konntest, war noch einiges an Vorarbeit zu leisten. Was gab es alles zu tun?

Lars Hillen: Das Schwierigste bei einem Unterwasser-Shooting ist die Suche nach einer geeigneten Location. Aufgrund der Jahreszeit waren Aufnahmen im Freibad oder in einem Außen-Pool nicht möglich. Erschwerend kam hinzu, dass die wenigsten Hallenbäder sich bereit erklärten, uns ein Schwimmbecken zur Verfügung zu stellen. Schließlich entdeckte ich einen Tauchturm in der Nähe von Bonn (www.dive4life.de). Darüber hinaus war es sehr zeitaufwendig, einen bezahlbaren Verleih zu finden, der Equipment für Unterwasserfotografie im Sortiment hat (www.digital-dive.de). Noch vor dem eigentlichen Shooting-Tag besuchte ich die Location, um in Erfahrung zu bringen, wo ich die Unterwasserblitze befestigen oder aufstellen kann. Außerdem wollte ich wissen, wo beziehungsweise wie ich meinen schwarzen Hintergrund einhängen kann –  dabei handelte es sich übrigens um eine 4 x 6 Meter große Teichfolie, die an der Unterseite mit Metallstangen beschwert war, um das Auftreiben und Werfen von Falten zu verhindern.

 

quucy: Und wie sahen die Vorbereitungen am Tag der Fotoaufnahmen aus?

Lars Hillen: Am Tag des Shootings stand zunächst vor dem eigentlichen Tauchgang an, die Technik vorzubereiten und Model Laura Lindenmann zu instruieren. Denn da die Kommunikation unterwasser leider gar nicht möglich ist, da das Model den Fotografen leider nur schemenhaft erahnen kann, ist es sinnvoll, alles im Vorfeld genau zu besprechen. Währenddessen kümmerte sich Ann-Kristin Schibelius um Make-up und Haare von Laura. Die Designerin war für das Outfit zuständig. Dann ging es für meinen Assistenten Niklas Reiners und mich ins Wasser zum Set- und Lichtaufbau. Wie bereits erwähnt, richteten wir eine Art „Unterwasserstudio“ ein mit schwarzer, straff gespannter Folie als Hintergrund und zwei Unterwasserblitzen, die ich an Einstiegsleitern des Tauchturms in jeweils drei Metern Tiefe befestigte. Links und rechst positioniert, bildeten sie eine Lichtschere. Kurz bevor wir schließlich zum Fotografieren abtauchten, gab ich dem Model und meinem Assistenten noch kurze Anweisungen oder Änderungswünsche durch.

quucy: Endlich war alles bereit für den fotografischen Fashion-Tauchgang. Unter Wasser in über zwei Metern Tiefe angekommen: Was ist die Schwierigkeit beziehungsweise besondere Herausforderung bei der Mode-Unterwasserfotografie?

Lars Hillen: Zum Beispiel ist die Mimik des Models unter Wasser eine knifflige Sache. Lauras Versuche, die Augen nicht zu zukneifen, führten bei vielen Motiven dazu, dass sie diese zu weit aufriss. Dadurch sah ihr Gesichtsausdruck auf den Bildern etwas erschrocken aus. Eine große Herausforderung stellte auch das Kleid dar, weil der Stoff so leicht war. Dadurch trieb er beim Abtauchen oft nach oben, was einerseits nicht schön fürs Foto aussah und dem Model andererseits das Abtauchen erschwerte. Um ihr dieses etwas zu erleichtern, hat Laura sich immer erst einige Meter mit Hilfe von Bleigewichten nach unten ziehen lassen und ist dann nach oben getaucht. Aus diesem Grund waren Aufnahmen nur in der Auftauchphase möglich. Zunächst noch in voller Tauchmontur mit Anzug und Pressluftflasche auf dem Rücken, verzichtete ich bis auf Brille, Flossen und Blei nach kurzer Zeit darauf, weil ich mich vom gesamten Equipment in meiner Bewegungsfreiheit zu sehr eingeschränkt fühlte.


quucy: Das klingt für Außenstehende alles sehr aufregend: Wie ist Dein Fazit nach Deiner Unterwasser-Shooting-Premiere?

Lars Hillen: Das andauernde Schwimmen und Tauchen bedeutete eine enorme Anstrengung für den Körper. Auch dauerte das Fotografieren im Tauchturm bedingt durch den Aufbau der Technik und des Sets, der schlechten Verständigung unter Wasser und natürlich wegen der Anstrengung viel länger als ein Shooting im Studio. Aber es ist eben eine ganz besondere Erfahrung gewesen.

quucy: Lars, danke sehr für die spannenden Einblicke, die Du uns gegeben hast.

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