Drucken für Kenner - Exklusive Tipps von Sihl



„Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut“, sagte der berühmte Fotograf Henri Cartier-Bresson. Damit ein Bild aus der Masse hervorsticht kommt es auch auf das Papier an, auf das es gedruckt wurde und die Art und Weise des Druckes. Die Art der Oberfläche und das Material können die Anmutung eines Bildes entscheidend prägen und bringen die Details erst zur Geltung. Sihl garantiert tolle Papiere, auf denen Deine Bilder strahlen. Und die Sihl-Druckprofis haben einige gute Tipps parat, mit denen Dir das Drucken gut gelingt.

 

 

 

Mehr als ein glanzvoller Auftritt

 

Workshop Teil 1: Kenner können besser drucken

 


Bild: Hady Khandani

 

Erstklassige Fotos wirken erst dann kostbar, wenn Aufnahme und Präsentation auf perfekte, technische Weise aufeinander abgestimmt sind. Das individuell erschaffene Bild lässt sich auf perfekte Weise veredeln, indem man es selbst ausdruckt und damit eindeutig von der Massenware abgrenzt. Mit einem hochwertigen, Inkjet-Druck sieht das Bild einfach sehr viel besser aus!

 

Zu gern möchte man seine Meisterwerke auch mit Anderen teilen, möchte sie verschenken, ausstellen, oder vielleicht verkaufen. Wir zeigen ihnen, wie man mit wenig Aufwand – aber mit einer unglaublichen Vielfalt an Möglichkeiten – durch das eigene Drucken der Bilddateien den Fotos den gewünschten professionellen und künstlerischen Schliff verleiht. Durch die direkte Beeinflussbarkeit von Bild- und Druckparametern sowie durch die flexible Medienauswahl ist der engagierte Fotograf in der Lage, die Wirkung seiner Bilder signifikant zu steigern und zudem noch zu einem haptischen Erlebnis werden zu lassen.

 

Folgende Fragen beeinflussen nachhaltig den Weg zum perfekten Ergebnis:


•    Welcher Drucker ermöglicht mir die angestrebte Qualität?
•    Welches Papier eignet sich für ein bestimmtes Motiv am besten?
•    Welche Oberfläche unterstützt die Bildwirkung am besten?
•    Wie will ich das Bild präsentieren?

Die Wahl des geeigneten Druckers ist heute leichter denn je, denn alle namhaften Hersteller bieten Geräte für den Fotodruck an, wobei meist das Ausgabeformat die Wahl vorgibt. Für die effektvolle Präsentation von Fotografien reichen A4-Drucker, um die Bilder dann z. B. hinter Passepartoutkarton zu zeigen. Effektvollere Ausdrucke hingegen lassen sich im A3, A3+ oder A2 Format erstellen, was gängigen Galerie-Formaten entspricht. Noch größere Formate machen Drucker möglich, die mit Rollenware bestückt werden können. Hier reicht das Angebot von kompakten Tischgeräten bis hin zu großen Maschinen. Um bei einem Drucker von Fotoqualität zu reden können, sollte dieser mindestens sechs Farben besitzen. Für eine Qualität, die über dieses Normalmaß hinausgeht und erstklassige Kunstwerke ermöglicht, sind Geräte mit 8 bis 12 Farben zu empfehlen. Diese sind in der Lage weitaus mehr Farben und vor allem weichere Übergänge zu erzeugen. Wer häufig den SW-Druck nutzt, sollte sich für ein Gerät entscheiden, welches zusätzlich noch Tanks mit Grautönen aufweist.

 

Grundsätzlich unterscheiden die Hersteller heute zwischen zwei Drucksystemen:


•    Mit gelösten Farbstoffen (Dye-Tinten), meist preisgünstig bis max. A3+ und nur für Blattware geeignet
•    Mit wasserunlöslichen Farbpigmenten (Pigment-Tinten), Breiten bis über 1,5 m möglich, sowohl für Blattware als auch für Rollen. Sie sind wegen der besseren Lichtbeständigkeit der Farben für den Fine-Art-Druck / Edeldruck prädestiniert

 

Erstklassige Ergebnisse setzen aber immer auch voraus, dass die Tinte mit einer optimalen Ansteuerung auf das Papier kommt. Höchste Qualitätsstufen sind dabei nur mit speziell beschichten Materialien möglich. Die Beschichtung (und nicht das Papier) sorgt dafür, dass die Farbe nicht verläuft und eine große Tintenmenge aufgenommen werden kann. Wird die Tinte durch die Beschichtung nicht optimal absorbiert, können Fehler wie das Ausbluten (Bleeding) auftreten. Oder die Tinte durchfeuchtet das Material so stark, dass es zu einer störenden Wellenbildung (Cockling) kommt. Zudem ist in solch einem Fall die Linien- und Kantenschärfe schlecht. Wer Druckmedien mit hoher Grammatur verwendet, sollte auch dies vor dem Kauf des Geräts abklären (Produktinfo). Ist dieser nicht geeignet, kann es zu Problemen im Vorschub und zu Qualitätseinbußen (Streifigkeit, unsauberer Ausdruck) kommen. Größere, professionellere Geräte bieten den Vorteil, dass die Tintentanks mehr Volumen bieten und sich der Literpreis entsprechend verringert.

 


Für höchste Ansprüche beim Inkjet-Druck muss ein Druckpapier – oder besser ein Druckmedium, denn mittlerweile kann man auf weitaus mehr als nur auf Papier drucken –  folgende Bedingungen erfüllen:


•    Exakte Wiedergabe brillanter und pastellartiger Farben
•    Exzellente Farbtreue und großer Farbumfang
•    Großer Tonwertreichtum
•    Gute Gradationsumsetzung
•    Exakte Graubalance
•    Großer Kontrast
•    Sattes Schwarz
•    Hohe Grammatur und gute Festigkeit
•    Edle Haptik
•    Hochwertiger Eindruck
•    Lange Haltbarkeit

Neben den oben genannten grundsätzlichen Punkten gibt es weitere Papiereigenschaften, die helfen eine im Motiv vorhandene Stimmung zu unterstützen, zu verstärken oder zu verändern.So kann durch die Beschaffenheit der Oberfläche (strukturiert / unstrukturiert) der Effekt eines Ausdrucks in der Wirkung gesteuert werden. Auch der Papiergrundton ist für sich genommen schon ein Stimmungsgeber. Anhand der Produkte der SIHL MASTERCLASS wollen wir diese Punkte eingehender beleuchten und Anwendungen zeigen. Glänzende Oberflächen – wie die des SIHL MASTERCLASS High Gloss Photo Paper 330 (4841) – erzeugen unter anderem durch den hochweißen Papierfarbton äußerst brillante, farbintensive und strahlende Bilder. Der Schärfeeindruck des Motivs wird gesteigert, und der Kontrast ist optimal. Dieses kommt Motiven zugute, die Brillanz und  Schärfe transportieren, glänzende Oberflächen im Bild aufweisen oder auf farbige Effekte setzen. Druckpapiere mit glänzenden Oberflächen sind deshalb besonders in den Bereichen Werbe-, Stills-, Architektur- und Landschaftsfotografie zu finden, aber auch bei technischen oder computergenerierten Bildern beliebt. SW- und HDR- Aufnahmen bekommen damit ihren ganz eigenen Reiz.

 

Als besondere Alternative und exklusive „Spielart“ kann das sehr effektvolle SIHL MASTERCLASS Metallic Pearl High Gloss Photo Paper 290 (4840) gelten. Mit diesem Papier lassen sich unvergleichbare Bildwirkungen inszenieren. Es verleiht durch den Einsatz von Effektpigmenten den Motiven einen faszinierenden Perlmuttschimmer. Im ersten Moment nur dezent wahrnehmbar, eröffnet es unter verschiedenen Betrachtungswinkeln einen immer wieder anderen Effekt, der dem Bild eine einzigartige Tiefe verleiht. Dieses kommt ganz besonders in den mittleren und hellen Tönen zum Tragen, und wird deshalb gerne für High-Key-Aufnahmen oder für Fotos von Schmuck, Metall, glänzenden Stoffen oder Wasser gewählt. Der Schimmer schmeichelt dem Hautton, so dass auch Porträts oder Aktaufnahmen eine ganz besondere Ausstrahlung erhalten. Viele Fotografen erinnert dieses Produkt an die Wirkung des Cibachrome-Materials aus dem Labor. Die mit chromogenen Farbstoffen erreichbare Farbtiefe, der extrem hohe Glanz und die unglaubliche Farbsättigung findet im Metallic Pearl Papier sein Pendant.


Die Technik dahinter


Glänzende Oberflächen sind häufig mit einem neutralen bis kühl wirkenden Papierfarbton ausgestattet, da dies den Kontrast, die Farbsättigung und Schärfe visuell anhebt. Nahezu immer wird die glänzende Beschichtung auf ein Fotobasispapier aufgebracht, das von zwei Polyethylen-Schichten eingeschlossen wird und ihre Tintenaufnahme durch eine mikroporöse Schicht steuert. Diese Schicht setzt sich aus winzig kleinen Kanälen zusammen, in die durch Kapillarkräfte die Tinte hineingezogen und festgehalten wird. Die Polyethylen-Folie in diesen Papieren (PE) dient als Sperre, damit die Tinte nicht in den Papierträger eindringt und verhindert so, dass das Papier aufquillt und zu Wellenbildung neigt (Cockling), was im extremsten Fall zu Druckkopfberührungen führen kann. Nebeneffekt: Man benötigt weniger Tinte zum Erzeugen brillanter Farben als mit einem Papier, das diese Sperre nicht besitzt. Diese Papiere wellen sich auch nach dem Drucken nicht, was ganz klar die Weiterverarbeitung erleichtert. Zudem besitzen mikroporöse PE-Papiere die beste Klimabeständigkeit, da sowohl das Papier als auch die Beschichtung nahezu unempfindlich gegenüber Luftfeuchteschwankungen sind. Einschränkungen der Oberfläche: Reflexionen und Spiegelungen können auftreten. Wenn keine so genannte blendfreie Hängung möglich ist, weicht man auf eine andere Oberfläche aus. Die etwas höhere Empfindlichkeit gegenüber Fingerabdrücken und Kratzern sollte man berücksichtigen, wenn diese Papiere durch viele Hände gehen (z.B. Fotobücher).

 

 

 

Allrounder für höchste Ansprüche

 

Workshop Teil 2: Kenner können besser drucken

 

Bild: Florian Groehn

 

Papiere mit glänzender Oberfläche lassen Motive brillant und sehr präsent wirken. Möchte man dagegen Farben und Grauwerte etwas dezenter, zurückhaltender einsetzen und der Bildwirkung einen edlen Touch verleihen, sind die Fotopapiere mit einer Lustre Oberfläche – manchmal auch seidenglänzend oder pearl genannt – die beste Wahl. Hinzu kommt noch deren Unempfindlichkeit gegenüber Reflexionen, Spiegelungen sowie mechanischen Beeinflussungen (z.B. Fingerabdrücke) als Entscheidungskriterium hinzu.

 


Möchte man den Gesamteindruck an Schärfe und Farbwiedergabe, die Tintenaufnahme und die unkomplizierte Weiterverarbeitung eines glänzenden PE-Papiers nutzen, jedoch die Empfindlichkeit dieser Oberfläche gegenüber Spiegelungen und Fingerabdrücken umgehen, dann ist das SIHL MASTERCLASS Lustre Photo Paper 300 (4844) perfekt. Es ist nahezu universell einsetzbar und besitzt ebenfalls eine glänzende, mikroporöse Beschichtung sowie eine PE-Sperre. Das Papier ist im Gegensatz zum Glanzpapier mit einer ganz leichten, unregelmäßigen Struktur versehen. Diese winzigen Erhebungen erzeugen eine diffuse Lichtstreuung und führen damit zum Brechen des Hochglanzes. Trotz der Struktur wirkt dieses Papier halbglänzend, erzeugt eine sehr brillante Bildwiedergabe und ist besonders unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken. Es besitzt – wie glänzende Papiere – einen großen Farbraum und bietet eine „knackige“ Schärfe sowie bestmögliche Kontraste. Mit diesen Eigenschaften ähnelt das Material dem klassischen Porträtpapier aus dem Fotolabor.

 

Die Inkjet-Variante ist bei Fotografen sehr beliebt, da sie die Vorteile der glänzenden Oberfläche vereint und gleichzeitig das Rahmen und Aufziehen sehr vereinfacht. Der Glanz des Materials ist blendfrei. So sind auch schwierige Lichtsituationen in Ausstellungsräumen oder privaten Innenräumen kein Problem. Sowohl die gute Planlage als auch die unkritische Rückseite tragen dazu bei, dass es prädestiniert ist für das Aufziehen der Bilder. Im Gegensatz zu manch anderem Produkt dieser Klasse bereitet auch die mikroporöse Schicht des Sihl Materials keine Probleme beim Kaschieren eines Bildes hinter Glas.

 

Lustre Oberflächen eigenen sich sehr gut für stark farbige Motive und solche mit vielen Details. Auch für ein Fotobuch oder eine Einladungskarte ist dieses Material optimal geeignet. Hier sind Planlage, Brillanz und Unempfindlichkeit wichtige Kriterien. Dieses bietet auch das doppelseitig bedruckbare SIHL MASTERCLASS Lustre Photo Paper Duo 330 (4845). Durch den Einsatz der PE-Schichten in Verbindung mit den mikroporösen Schichten liegt dieses Material im Gegensatz zu vielen anderen doppelseitigen Produkten, (die aus matten, ungesperrten Papieren bestehen), flacher. Zudem nimmt das Sihl Papier den Schmutz der Finger beim Umblättern im Fotobuch wesentlich weniger auf.

 


Alternativen im Detail

Ein Papier, dessen Oberfläche mit satin oder semi-matt oder semi-glänzend bezeichnet wird, ist mit einer glänzenden Schicht ausgerüstet, der ein mattierendes Pigment zugesetzt wird. Dieses führt zu einer sehr gleichmäßigen Oberfläche. Das Papier ist geringer im Glanz als ein Hochglanzmaterial, hat aber keine Erhebungen wie eine Lustre Variante. Eine satinierte Oberfläche hat nahezu keine Reflexionsstörungen und bietet – wie auch das Lustre Material – einen guten Schutz gegenüber mechanischen Beanspruchungen. Sie hat jedoch durch die homogene Oberfläche eine andere Haptik (glatt) und ist in der Farb- und Detailwiedergabe durch die stärkere Streuung des Lichts etwas anders geartet. Satin-Oberflächen ähneln häufig Papieren, wie sie im Offset- oder Tiefdruck verwendet werden. Im Inkjet-Bereich wird diese Oberfläche sowohl für PE-Papiere als auch für ungesperrte Papiere verwendet. Fast immer handelt es sich hier auch um eine Form der mikroporösen Beschichtung.

 

 

 

Bilder mit Charakter

 

Workshop Teil 3: Kenner können besser drucken

 

Bild: Harald Sorgen

 

Künstler, Gestalter, Ausstellungsfotografen oder einfach Freunde guter Fotos und Bilder favorisieren besondere Druckpapiere. Für das künstlerische Umfeld perfekt geeignet sind so genannte ungesperrte Papiere wie beispielsweise Baryt-Papiere mit ihrer ganz eigenen Anmutung, auch in Bezug auf die Haptik. Mit diesen Papieren kann aus dem visuellen Genuss ein haptisches Erlebnis werden.

 

Haben wir uns in den vorangehenden Folgen des Workshops mit den Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von so genannten gesperrten PE-Fotopapieren beschäftigt, wollen wir nun auf ungesperrte Medien eingehen, denen die PE-Schichten fehlen. Durch das Weglassen dieser Sperrschichten erhält man eine besondere Oberfläche. So erscheint vielen Anwendern ein gesperrtes PE-Fotopapier eher wie eine Folie, während man bei den hochwertigen, ungesperrten Fine-Art-Medien das Gefühl hat, ein „echtes Papier“ in der Hand zu halten. Das Material fühlt sich weich und sanft an und vermittelt durch die häufig verwendete naturweiße, leicht gelbliche Färbung einen „wärmeren“ Bildeindruck. Darum werden diese Papiere häufig für sehr harmonische Motive mit großem Farb- und Grauwertreichtum eingesetzt.

 

Qualitativ auf höchstem Niveau, ermöglichen die unterschiedlichsten Oberflächen und Arten eine ungeahnte Vielfalt. Ganz besondere Stimmungen vermitteln Schwarzweiß-Aufnahmen. Schon zu Zeiten des Labors hat man dafür häufig zu Baryt-Papieren gegriffen. Diese Papiere stehen für eine hohe Wertigkeit, für eine gute Haltbarkeit sowie eine optimale Tonwertumsetzung. All dies konnte auch im Inkjet-Bereich mit Produkten wie dem SIHL MASTERCLASS Satin Baryta Paper 290 (4848) umgesetzt werden. Das Papier hat sowohl die glattseidige Oberfläche, die leichte Struktur, als auch die Haptik und Bildanmutung eines traditionellen luftgetrockneten, glänzenden Baryt-Papiers. Die Gradation ist optimal abgestimmt auf die fein differenzierte Wiedergabe von Grauwerten und zeigt sowohl in den Lichter- als auch in den Schattenbereichen beste Durchzeichnung. Die leicht glänzende Oberfläche wirkt zwar scharf und detailreich, ist dabei aber diskreter in der Wiedergabe als ein PE-Fotopapier.

 

Das SIHL MASTERCLASS Satin Baryta Paper 290 (4848) stellt ein gutes Beispiel für ein ungesperrtes Fotopapier mit einer mikroporösen Beschichtung dar. Zwar wird in vielen Fällen ein Inkjet-Barytpapier für SW- Motive verwendet, rein technisch sind diese aber – im Gegensatz zu den Barytpapieren aus dem Labor – nicht darauf beschränkt. Auch Farbbilder werden optimal wiedergegeben und erzeugen gerade durch die naturweiße Färbung eine gänzlich andere Stimmung als mit einem hochweißen PE-Papier. Das Bild bekommt eine leicht sepia ähnliche Anmutung. Die Farbwerte wirken insgesamt etwas wärmer.


Ungesperrte Papiere im Detail


Die Wirkung des Inkjet-Drucks auf solch einem Material ist leicht zu erklären: Das ungesperrte Papier kann mehr Tinte aufnehmen und zu einer erstaunlichen Tiefenwirkung beitragen. Es trocknet deshalb etwas langsamer und ist klimaanfälliger als ein gesperrtes PE-Papier. Feuchtigkeit (sei es aus den Tinten oder aus der Umgebung) kann stärker in den Papierfilz eindringen, der sich dadurch ausdehnt und sich in extremen Fällen an der Kante zur Vorderseite wölbt (so genanntes Curling).

 

Man sollte bei ungesperrten Papieren grundsätzlich diese Eigenschaft mit in Betracht ziehen und die Klimabedingungen möglichst konstant halten. Wenn bei dunklen Motiven mit sehr hohem Tintenauftrag einmal ein ungesperrtes Papier direkt nach dem Druck eine Welligkeit aufweist, ist dieses kein Makel, sondern durch die eigene Charakteristik bedingt. Bei sehr hochwertigen Produkten geht diese Wellenbildung aber nahezu komplett nach der Trocknung wieder zurück. Eine hohe Grammatur vermindert diese Einschränkung in der Regel noch zu
sätzlich.

 

Baryt-Papiere mit einem dezenten, leicht gelblichen Naturton werden ohne optische Aufhellerschicht hergestellt. Denn die so genannten „Weißmacher“ der reinweißen Papiertypen können sich über einen längeren Zeitraum hinweg chemisch abbauen und verändern dadurch die ursprüngliche Papierfarbe. Durch das Weglassen der Aufheller ist somit die Haltbarkeit (oder besser die Konstanz der Bildanmutung) über Generationen hinweg möglich.

 

 

Dauerhafter Kunstgenuss

 

Workshop Teil 4: Kenner können besser drucken

 

Bild: Florian Groehn

 

Die wohl zurzeit im Inkjet-Druck mit künstlerischem Anspruch am meisten eingesetzten, hochwertigen Druckmedien sind schwere, matte Papiere. Häufig werden nur sie mit dem Begriff „Fine Art“ in Verbindung gebracht, was sicherlich den Einsatz zu sehr einschränkt. Denn diese besonderen Papiere geben Bildern eine ganz exklusive Ausstrahlung und Bildwirkung. Matte Papiere sind häufig das Inkjet-Pendent von klassischen Künstlerpapieren, wie sie auch für Aquarelle, Ölbilder oder Zeichnungen Verwendung finden.


Schwere, matte Druckpapiere sind nicht nur sehr beliebt für die Reproduktionen von Kunstwerken, sondern finden immer öfter den Weg zu engagierten Fotografen, die durch diese Medien ihren Fotos einen ganz eigenen, künstlerischen Look verleihen. So genannte Fine-Art-Papiere können Farben und Graustufen mit einer eigenen Bildanmutung umsetzen. Das hervorstechende Merkmal liegt in der Haptik dieser Papiere mit ihrer speziellen Oberfläche. Da sowohl bei Museen als auch im Bereich der Kunst die Langlebigkeit eine große Rolle spielt, wird in diesem Umfeld ganz besonders auf eine sehr gute Haltbarkeit des Papiers und die Beständigkeit des Druckbilds gelegt. Deshalb sollten Papiere für diese Anwendungen ligninfrei sein (Lignin führt zur Zersetzung) und entweder aus Baumwolle – wie das SIHL MASTERCLASS Smooth Matt Cotton Paper 320 (4852) und das SIHL MASTERCLASS Textured Matt Cotton Paper 320 (4853) – bestehen, oder aus Alpha-Zellulose oder Linters. Auch der Begriff Hadern wird in diesem Umfeld immer wieder fallen. Kunstpapiere sind ohne Aufheller und besitzen aufgrund dessen immer
einen Naturton.

 

Die matte Oberfläche erzeugt ein sehr homogenes Bild, das völlig reflexionsarm ist. Es gibt sowohl glatte Oberflächen, als auch solche mit einer mehr oder weniger starken Struktur. Bilder und Fotos können durch die matte Oberfläche eine Stilisierung erfahren, so dass sie fast wie gezeichnet oder gemalt aussehen. Dieses ermöglicht vielfältige, kreative Einsatzbereiche. Auf dem SIHL MASTERCLASS Textured Matt Cotton Paper 320 (4853) beispielsweise kann ein gewöhnliches Motiv wie ein Gemälde erscheinen, bei dem die Struktur im Papier ihre eigene Bildwirkung noch verstärken kann. Bilder mit gedeckten Tönen und weichen Übergängen findet man sehr häufig auf matten Medien, aber man sollte durchaus auch einmal mutig sein und farbintensive Motive verwenden. Man wird über die Ergebnisse überrascht sein. Matte Oberflächen werden in ähnlicher Form erzeugt wie mikroporöse Papiere. Durch den hauptsächlichen Einsatz von Kieselsäure erhält man poröse Schichten. Wie das Wort schon erahnen lässt, sind die Feststoffe aber größer als bei den mikroporösen Schichten.

 

Spricht man von Kunstwerken, wird man unweigerlich auch auf Inkjet-Leinwandstoff treffen, so genannte Canvas-Materalien. Was im Labor früher eher exotisch war, erlebt heute einen erstaunlichen Boom und ist ganz einfach selber herzustellen. Mit Produkten wie dem SIHL MASTERCLASS Matt Photo Canvas 400 (4851) kann man auch als Privatanwender seine Innenräume damit sehr persönlich gestalten. Das Drucken ist genauso unkompliziert wie mit den anderen hochwertigen Inkjet-Produkten, und das Aufziehen auf einen Keilrahmen stellt auch keine große Schwierigkeit dar. Geschäfte mit Künstlerbedarf haben solche Rahmen in vielfältiger Auswahl zur Verfügung und die Fachleute dort helfen gerne bei den ersten Schritten.

 

Fine Art Druck bedeutet nicht immer nur der Druck von großen Dateimengen auf riesige Formate. Auch kleinere Formate haben ihren Reiz, mit einem Passepartout gerahmt oder auf Aludibond aufgezogen. Um den Retrolook von Hipstamatic-Fotos, Smarthone-Bildern oder Motiven von Holga oder Lochkameras aufzupeppen, sind Fine-Art-Papiere mit ihrem Naturton die richtige Wahl.

 

Das Kunstwerk aus dem Drucker

 

Matte Papiere sind naturgemäß rauer, die Rückseite meist stumpfer, was zu Transportproblemen bei einigen, wenigen Druckermodellen führen könnte. Auch kleine Fasern können sich auf der Oberfläche ablagern. Deshalb sollte man diese Papiere vor dem Druck unbedingt abschütteln und den Einzeleinzug wählen. Da man hier mit hochwertigen Druckmedien arbeitet, ist die Verwendung von Baumwollhandschuhen anzuraten. Das Schärfen der Bilddateien für den Druck auf diesen Medien sowie dem Canvas kann stärker ausfallen als gewöhnlich, wobei man hier durch Probieren die für das eingesetzte Druckmaterial optimale Einstellung findet.

 

Bei der Verwendung von Canvas-Materialien sollte man darauf achten, dass diese nicht zu starr sind und die Farbe beim Ziehen über die Kante nicht abplatzt. Das SIHL MASTERCLASS Matt Photo Canvas 400 (4851) bietet dieses und besitzt eine so genannte 2:1-Struktur, bei der Baumwolle mit Polyester verwebt ist. Dieses gibt dem Material eine Geschmeidigkeit, die eine leichte Weiterverarbeitung ermöglicht und zudem nicht so anfällig gegenüber Klimaschwankungen ist, wie es bei reinen Baumwoll-Sorten der Fall wäre. Baumwolle ist ein Naturstoff und kann sich ausdehnen. Im schlimmsten Fall verliert der Ausdruck dadurch auf dem Keilrahmen die Spannung.