Im Gespräch

Marie Köhler: Von Afrika lernen

Das Thema war ihre Diplomarbeit des Fotografie-Studiums an der Fachhochschule Dortmund. Daraus ist das Projekt "Mach Dir ein Bild" geworden, das Marie Köhler seit Jahren beschäftigt. 

 

Was haben Sie, Frau Köhler, mit Christoph Schlingensief zu tun?

Mit Blick auf sein Projekt des Operndorfes in Burkina Faso einiges. Er hat einmal gesagt: „Ich will endlich Geld geben, ohne das ich was dafür bekomme“. Ich wollte von Afrika lernen und nix diktieren. 95 % aller Afrika-Bilder seit meiner Kindheit sind von Weißnasen gemacht worden, alle Zeitungskommentare von weißen Leuten, fast nichts von Schwarzen. Aber es ist nicht das wirkliche Afrika. Meine erste Begegnung mit Afrika hatte ich vor 10 Jahren. Es ließ mir keine Ruhe. Ich sah die Arbeiten von Zana Briski, einer englischen Fotografin und Dokumentarfilmerin (World-Press- und Oscar-Preisträgerin), die über Kindstötungen und Kinderprostitution in Indien berichtet und das Projekt „Kids with Cameras“ ins Leben gerufen hat. Jahre Später sah ich mich mit dem Christop Schlingensiefs Operndorf-Projekt in Burkina Faso konfrontiert, wo mittlerweile mehr als hundert Kinder die zum Dorf gehörige Schule besuchen. Da kam mir die Idee, einen Workshop mit diesen Kindern durchzuführen. 

 

Bekamen Sie Unterstützung für Ihre Idee?

Ja, ich konnte das Projekt mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes realisieren und meine Masterarbeit an der Dortmunder Fachhochschule darüber schreiben. Des Weiteren warb ich mit meinen Team per Unterstützungskampagne bei Startnext Gelder ein. Wir starteten Aufrufe und ließen uns analoge Kameras spenden, die in vielen Haushalten herumlagen. Von Kodak erhielten wir 2.000 Filme, Fuji lieferte Sofortbildfilm, Sihl stellte Papier und Trägermaterial für die Ausstellung vor Ort zur Verfügung, das Bochumer Unternehmen Niggemeyer produzierte die Ausstellungsbilder, und der Dortmunder Buchverlag Kettler sorge für den Druck des Katalogs, der leider schon vergriffen ist.

 

Worum geht es in Ihrem Projekt, das Sie „Mach Dir ein Bild?“ genannt haben?

Es handelt sich hierbei nicht um ein Hilfsprojekt. Es soll unser Bild von Afrika verändern. Abseits von Safari-Erinnerungen und Bürgerkriegsgräuel ist Afrika mehr. Und Kinder zeigen uns das. In einem Workshop lernten sie mit ihrer eigenen analogen Kamera umzugehen. Es gab einen Film pro Woche. Und weil ein Film, zurückgespult werden muss, legten sie ihn einfach noch mal ein. Phantastische Doppelbelichtungen sind entstanden – niemand hatte den Kindern gesagt, dass das nicht geht. Mit dem unverstellten Blick ihres Alters erforschten sie ihr Umfeld und tauschten sich mit ihren Freunden aus. Wobei wesentliche Gestaltungskriterien keine Rolle spielten. Im Workshop erhielten die Kinder lediglich eine technische Unterweisung zu den Kameras. 

 

War haben Sie mit den Bildern der Kinder gemacht?

Wir haben die Schulpavillions im Operndorf von Burkina Faso mit einer Ausstellung der Bilder von den Kindern eingeweiht. Ein großes Ereignis, auf dass wir alle sehr stolz sind. 

 

Auf welche Resonanz ist Ihr Projekt „Mach Dir ein Bild?“ getroffen?

Das Projekt ist auf sehr große Resonanz getroffen. Alle Menschen, die die Bilder des Workshops gesehen haben, sind aus dem Stauen nicht heraus gekommen. Auch die Medien haben es breit aufgegriffen, was mich sehr freut, denn die Vorarbeit war immens. Ich scharte ein sechsköpfiges Team um mich.

 

Planen Sie ein weiteres Projekt, nachdem dieses auf so große Resonanz getroffen ist?

Das habe ich bereits durchgeführt. Es ging im Sommer zu  Ende. Zwanzig Jahre nach dem Genozid in Ruanda war ich mit meinem Team vor Ort. Wir wurden von dem Goethe Institut unterstützt. Die UNESCO hat sogar die Schirmherrschaft übernommen. Auch hier haben die Kinder von ihrer Welt erzählt. Der Kettler Verlag hat die Bilder in dem Buch „Mach Dir ein Bild. Ruanda 2014“ veröffentlicht.


Haben Sie persönliche Erkenntnisse aus den Projekten und Ihre Engagement gezogen?

Ja, nämlich, dass es nicht schadet, sich der analogen Fotografie zu erinnern und ihrer zu bedienen. Man konzentriert sich wesentlich mehr auf das Bildermachen und auf das Umfeld. Dabei kommt man zu ganz anderen Ergebnissen.

 

Haben Sie das Projekt "Mach Dir ein Bild" auf andere Länder übertragen?

Ja, wir waren 2014 in Ruanda und aktuell sind wir im Kongo. Wir treffen auf großes Interesse sowohl bei den Landesregierungen als auch hier bei Förderern, bei denen ich mich an dieser Stelle nochmals recht herzlich bedanken möchte.

 

Frau Köhler, wir bedanken uns recht herzlich für das interessante Interview und Ihre Zeit und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrem beruflichen Werdegang als Fotografien und auch bei Ihrem sehr ambitionierten Projekt "Mach Dir ein Bild". 

 

Wie Marie Köhler aus diesem tollen Projekt eine interessante Wanderausstellung umgesetzt hat, erfährst Du hier

HOMEPAGE

Foto: Marie Köhler

  Foto: Marie Köhler

 

Einhundertfünzig Kinder. Einhundertfünzig Kameras.
Zweitausend Filme. Ein Jahr Zeit.
Ein Austausch zwischen Afrika und Europa.

 

Weitere Hintergrundinformationen über das interessante Prodjekt von Marie Köhler erfährst Du hier.

 

Mach Dir ein Bild