MiGel (Michael Gelfert)

Mehr als hübsche Menschen in schöner Kleidung oder buntem Make-up

 

(Fotos: © MiGel - www.michael-gelfert.de)

 

Fashion- und Beauty-Aufnahmen sollen immer etwas „verkaufen“, ob nun direkt oder indirekt – durch Erzeugung von Stimmungen oder Herstellen eines Images, stellt der erfahrene Fotograf MiGel (Michael Gelfert) im quucy-Gespräch klar. „Es geht nicht nur darum, ein hübsches Mädchen oder einen Mann in Kleidung oder buntem Make-up zu zeigen“. Neben Herausforderungen der Mode- und Beautyfotografie spricht der Fotograf für Mode, Beauty, Lifestyle und Werbung über die Faszination dieses Genres sowie über Locations. Außerdem gibt er spannende Einblicke in aktuelle Projekte.

 

quucy: Wie und wann sind Sie zur Fotografie gekommen?

MiGel: Richtig angefangen mich mit Fotografie zu beschäftigen, habe ich ungefähr mit 17. Damals habe ich meinen Vater gebeten, mir seine alte (recht umfangreiche) Kameraausrüstung zu leihen und zu erklären. Ich wusste, dass er eine Praktika mit reichlich Zubehör im Schrank hatte.


quucy: Was fasziniert Sie an der Fashion- und Beauty-Fotografie?

MiGel: Auch wenn es nach einer Standard-Floskel klingt: die Arbeit mit Menschen. Ich betrachte mich in meinen Wurzeln als Porträt-Fotograf. Über die Jahre habe ich aber auch großen Gefallen an Mode, sehr gezielt eingesetztem Licht und dramatischen Inszenierungen gefunden. Ich finde es spannend, die mir selbst auferlegte Balance vom Fokus zwischen Mensch und Produkt zu finden und zu halten. In kommerzielle Fotografie ist das nicht selbstverständlich, die Modelle in den Bildern sind oft nur Werkzeuge statt Persönlichkeiten.


quucy: Wo liegen besondere Herausforderungen bzw. Schwierigkeiten in diesem Bereich?

MiGel: Das lässt sich nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Deswegen gibt es darüber von mir ja auch ein Buch, den Blog „Licht(in)former“ und verschiedene Workshops, die ebenfalls über den Blog zu finden sind. 
Aber einen wichtigen Punkt möchte ich ansprechen. Bei Einsteigern und Hobby-Fotografen oft übersehen ist der Aspekt der kommerziellen Fotografie. Fashion und Beauty sollen immer etwas „verkaufen“, ob nun direkt oder indirekt – durch Erzeugung von Stimmungen oder Herstellen eines Images. Dementsprechend muss man an die Fotos und Motive herangehen. Es geht nicht nur darum, ein hübsches Mädchen oder einen Mann in Kleidung oder buntem Make-up zu zeigen. Das ist keine Fashion- und Beauty-Fotografie.


quucy: Wo finden Ihre Aufnahmen bevorzugt statt, im Studio oder on location? Was sind bevorzugte Locations?

MiGel: Beides hat seine Vorzüge und Nachteile. Aus organisatorischer Sicht ziehe ich das Studio vor, weil man vom Wetter unabhängig ist und auch Komponenten wie das Licht besser kontrollieren kann. On Location braucht es deutlich mehr Bauchgefühl und Erfahrung, um zu ähnlich kontrollierten Ergebnissen zu kommen. Bevorzugte Locations habe ich nicht, sie müssen zum Bild und zur Idee bzw. zum Konzept passen. Wenn das gut ist, kann fast alles eine gute Location sein.

quucy: Was ist charakteristisch für Ihre Bilder?

MiGel: Oh, das ist eine ganz schwierige Frage, die eigentlich immer ein Betrachter beantworten muss, nicht der Künstler selbst. Man arbeitet ja nach Bauch, Gefühl, Geschmack und ist viel zu tief drin, um objektiv zu beurteilen.
 Was würden Sie denn sagen? Was meinen die Leser? Ich bin wirklich neugierig, dass zu erfahren!


quucy: Was macht für Sie jeweils eine erstklassige Fashion- und Beauty-Aufnahme aus?

MiGel: Wenn alles stimmt, „100% ist“: Konzept, Modell, Location, Licht, Requisiten, Kleidung und Accessoires. Wenn nur einer der Punkte schwächelt, leidet das ganze Bild. Das kann man auch mit keinen „110%“ in einem anderen Bereich mehr ausgleichen. Ich weiß, Lernwillige hassen eine solche Antwort, weil sie unspezifisch klingt. Ich kann es aber nicht anders ehrlich beantworten.


quucy: Wie setzt man Mode und Schönheit am besten in Szene, welche unterschiedlichen Herangehensweisen gibt es da?

MiGel: So viele, wie es Künstler gibt. So lange es Anklang findet, gibt es fast nichts, was auszuschließen ist. Man kann immer nur Anreize geben und persönliche Sichtweisen schildern. Das versuche ich in meinem Buch und Blog.


quucy:  Könnten Sie etwas über aktuelle Projekte berichten?

MiGel: Über Aufträge kann ich derzeit nicht sprechen, aber über freie Projekte: Ich benötige immer wieder freie Arbeiten für mein Portfolio und bin so immer auf der Suche nach interessanten und geeigneten Kooperationen – sei es mit Designern, Modellen oder Akademien. Interessierten Modellen sei dabei aber vorweg gesagt, dass ich mich bei der Auswahl an den Richtlinien der Agenturen orientiere.

Es betrifft nicht die Modefotografie, aber ich arbeite an einem Langzeit-Projekt zum Thema „Akt“, das einem simplen, aber interessanten Konzept folgt. Es ist vieldeutig, sozialkritisch und bietet viel künstlerische und kreative Entfaltungsmöglichkeit. Details möchte ich vor der Veröffentlichung hier nicht verraten. Ich hoffe, am Ende einen Bildband veröffentlichen zu können, zuvor Ausstellungen mit Teilen daraus zu bestücken. 
Ich habe schon eine ganze Reihe Arbeiten fertig, aber ich suche immer noch etliche interessierte Modelle – und natürlich Ausstellungsräume bzw. Galerien, Verlage, Sponsoren usw.

Außerdem bin ich Teil des sehr spannenden Konzeptes „Lange Nacht der Fotoworkshops“, das gerade seine sehr erfolgreiche Premiere in Hamburg hatte und ausgeweitet werden soll. Eigene ganztägige Workshops sind ebenfalls geplant, Termine für November und Dezember sind schon ausgeschrieben. Für Januar vorgesehen ist dann der Workshop zum Buch „Fashion-Fotografie“ – derzeit alles in Hamburg.

quucy: Danke für das Gespräch und die sehr hilfreichen Denkanstöße. Für Ihre Projekte wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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HOMEPAGE

Möchtest Du noch mehr über das Portfolio des Fotografen und seine Projekte erfahren? Dann besuche seine Internetseite www.michael-gelfert.de oder seinen Blog www.lichtinformer.de.

MIGEL BUCHTIPP

 

Wie Du Mode- und Beauty-Aufnahmen vorbereitest, dafür gibt es Beispiele in MiGels (Michael Gelfert) Buch Fashion-Fotografie. Ebenso dort zu finden: welches Licht sich für Aufnahmen am besten eigent, welche Objektive, Hintergründe und welche weiteren Hilfsmittel. Auch erfährst Du darin Tipps, an welche Vorgaben Du Dich als Fotograf seitens Auftraggeber oder Designern halten musst. Genauere Infos zum Fachbuch bekommst Du bei unseren Buchtipps. Bestellen kannst Du es hier