Pavel Kaplun

Artworks, die Geschichten erzählen...

 

 

Maler, Fotograf, Trainer, Autor und nicht zuletzt ein digitaler Fotokünstler der ganz besonderen Art. Pavel Kaplun hat viele Facetten und Fähigkeiten. Nach seinem Chemiestudium wanderte er Anfang der 90er Jahre mit seiner Frau aus Russland nach Deutschland aus und gilt hierzulande heute als einer der speziellsten Trainer für Bildcomposing. Im quucy-Interview spricht er über seine Passion, seine Artworks und die Motivation, die hinter seiner Arbeit steckt.

quucy: Sie haben Chemie studiert und auch in diesem Bereich gearbeitet. Wie kamen Sie zunächst zur Malerei und dann zur Fotografie und wie verbinden Sie letztlich beide Disziplinen?


Pavel Kaplun: Chemie war nur mein Einstieg ins Berufsleben. Meine wahre Leidenschaft galt und gilt der Kunst. Es war immer mein Traum, dass künstlerisches Arbeiten nicht nur mein Privat-, sondern auch mein Berufsleben ausfüllt. Erst als ich nach Deutschland kam, hatte ich die Möglichkeiten, dieses Zeil Schritt für Schritt in Angriff zu nehmen, angefangen mit der Malerei, was ich übrigens bis heute verfolge, solange es mein Terminkalender erlaubt. Nicht immer verläuft alles im Leben gradlinig. Oft gab es Umwege und Zwischenstopps. Aber selbst diese Zwischenstopps haben rückwirkend betrachtet ihren Sinn, so zum Beispiel meine Arbeit in einer Porzellanmanufaktur oder in einer Medienagentur. Letztere hat mir auch die Welt der Fotografie und der digitalen Bildbearbeitung eröffnet. Völlig neue und faszinierende Möglichkeiten, sich als Künstler auszudrücken und gerade in der damaligen Zeit noch ein völlig unbestelltes Terrain, wo man sich ausleben konnte. Das hat letztendlich den Ausschlag gegeben. Und ja, auch die Möglichkeit, gestalterische Prinzipien der Malerei mit denen der Fotografie zu verbinden. Proportionen, Lichtsetzung, Farbstimmungen – es gibt so vieles, was schon Generationen vor uns eindrucksvoll für die Nachwelt verewigt haben, wovon wir heute noch profitieren können, um Fotografien harmonisch, zeitlos und intensiv, aber nicht marktschreierisch wirken zu lassen.

 

 

quucy: Ihre große Leidenschaft gilt dem Bildcomposing. Wie sieht Ihre besondere Form von „Artwork“ aus?


P.K.: Danke, dass Sie den Begriff “Artwork” verwenden. Ich bevorzuge diesen Begriff, weil “Bildcomposing” eher die Technik beleuchtet. Meine Artworks erzählen Geschichten. Nicht plakativ, sondern mit Tiefgang, wo man als Betrachter auch oft zwischen den Zeilen lesen muss, um zum “Aha-Effekt” zu kommen. Nicht selten gewürzt mit einer kleinen Prise Humor, die dafür aber lange nachwirkt. In meinen Artworks, ganz gleich, ob es Menschen, Tiere oder Gegenstände sind, werden die Hauptakteure in Szene und ins rechte Licht gesetzt, damit sie ihre Geschichten erzählen können. Hinzu kommt immer eine aufwändige digitale Kulisse, quasi die Bühne, auf der sich die Hauptakteure bewegen, und die die Geschichte “trägt”. Hierbei halte ich mit nicht an die Grenzen der Physik oder der Realität. Im Gegenteil: Meist wirken meine Artworks surreal und wie ein großes Gemälde, aus einem Guss, aber aufgrund der technischen Finesse und des Detailreichtums 100% real. Ein zusätzlicher Spannungsbogen, der meine Artworks interessant macht. Lassen Sie es mich mit einem guten Wein vergleichen. Natürlich hat der Wein eine schöne Farbe und sieht ansprechend aus, aber der Genuss beginnt schon beim Bouquet und die Geschmacksnuancen variieren von der ersten bis zur letzten Sekunde. Ein Gesamterlebnis, was auch für anspruchsvolle Artworks gelten sollte.

 

quucy: Mit welchen Bildbearbeitungsprogrammen arbeiten Sie? Und welches würden Sie dem Einsteiger in die digitale Bildbearbeitung empfehlen?


P.K.: Die gute Nachricht: Ich arbeite mit genau den Programmen, mit denen ein ambitionierter Fotograf auch arbeitet. Im Wesentlichen sind das Adobe Photoshop und Lightroom, beides als Teil der Adobe Creative Cloud. Lightroom nutze ich seit diesem Jahr viel intensiver, weil das Produkt funktional große Fortschritte gemacht hat und mittlerweile viel mehr und viel weitreichendere Möglichkeiten der Bearbeitung bietet, ohne kompliziert zu sein. Für ausgefeilte Arbeiten, insbesondere für Artworks, komme ich natürlich nicht an Photoshop vorbei. Hier sind dem künstlerischen Schaffen quasi keine Grenzen gesetzt. Einsteiger wählen oft Lightroom, um in die Bildbearbeitung einzutauchen und nehmen ab einem gewissen Kenntnisstand Photoshop hinzu, um den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu machen. Egal, welches Produkt ein Fotograf nutzt, sollte man die Entwicklung in Camera RAW nicht außer Acht lassen. Sie ist absolute Pflicht und man kann bereits mit wenigen Handgriffen tolle Resultate erzielen. Die RAW-Entwicklung ist sowohl in Lightroom als auch in Photoshop enthalten.

 

quucy: Sie haben viele Fachbücher zur Fotografie und speziell Photoshop verfasst. An wen richten sich Ihre Bücher und zu welchen Skills möchten Sie den Lesern verhelfen?


P.K.: Vor einigen Jahren habe ich in der Tat sehr viele Fachbücher geschrieben. Die Entwicklung, was Photoshop und andere Produkte angeht, ist in den letzten Jahren allerdings so rasant und so schnell nach oben gegangen, dass Bücher in den meisten Fällen dieser Dynamik nicht Rechnung tragen konnten und schnell veralteten. Deshalb konzentriere ich mich in meinem Portfolio auf zwei Bereiche: Zum einen Lern-DVDs und Downloadvideos, in denen man Fotografie und Bildbearbeitung lernen kann, zum einen kurze und prägnante Artikel und Tutorials in Fachzeitschriften. So können meine Leser und Kunden sehr einfach immer am Puls der Zeit sein und Neues Lernen.
In meinen Artikeln und Produkten sind mir zwei Sachen immer wichtig: Egal, wie kompliziert das Thema sein mag, es muss einfach zu lernen sein. Und das Lernen muss Spaß machen. Kein Fachchinesisch, kein abgehobenes Wissen nur für Experten. Stattdessen so, dass es wirklich jeder schnell verstehen kann. Genauso wichtig finde ich auch den künstlerischen Aspekt. Fotografie mag eine Technik sein, genauso wie die Bildbearbeitung. Aber wenn man sich nur auf die Technik beschränkt, entstehen daraus nur Allerweltsbilder, wie es sie millionenfach im Markt gibt – ohne das gewisse Etwas. Wenn ich Fotografie und Bildbearbeitung näherbringe, dann versuche ich auch immer, das fotografische Auge zu schulen. Nicht nur das, was die Kamera erfassen kann, sondern was der Fotograf als Künstler in einem Motiv erkennt. Und dass der Fotograf die Mittel hat, aus dem Motiv dann dass zu erschaffen, was sein künstlerisches Auge gesehen hat, als er den Auslöser betätigt hat. Diese Art des Lernens hört nie auf. Man mag zwar eine Technik beherrschen, aber die kreative Bandbreite ist nahezu unendlich. Aus diesem Grund werden meine Trainings auch nicht langweilig. Es gibt immer wieder neue Inspirationsquellen und neue Dinge, die man ausprobieren kann.

 

quucy: Schon so manchen Prominenten hatten Sie vor der Linse. Welches Shooting hat Ihnen besonders viel Freude gemacht und warum?


P.K.: Fotoshootings mit Prominenten sind immer eine spannende Sache, weil man über die Medien immer ein Bild im Kopf hat, dem dann die wirkliche Person im Fotostudio gegenübersteht. Meine bisherigen Fotoshootings haben mir immer sehr viel Freude gemacht, vielleicht auch deshalb, weil daraus Artworks entstanden sind, für die man sich immer auf den Menschen im Detail einlassen und die abzubildende Geschichte ermitteln muss. Keine oberflächlichen Studiogespräche, sondern ein wirkliches Auseinandersetzen mit der jeweiligen Person. Ein Highlight in diesem Jahr war für mich das Fotoshooting mit Jürgen von der Lippe. Für mich ein sehr inspirierender und authentischer Mensch, der im Studio eine unglaubliche Präsenz hatte und wo von der ersten Minute an die Chemie 100% gestimmt hat. Den Humor, den Jürgen von der Lippe auf diversen Bühnen versprüht, konnte ich auch während des Fotoshootings genießen und die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Deshalb freut es mich besonders, dass eines der Artworks, die ich für Jürgen von der Lippe erstellt habe, das Cover für sein neues Buch “Beim Dehnen singe ich Balladen” geworden ist.

 

 

Wir sind auf Pavel Kapluns weiteres Schaffen gespannt und bedanken uns herzlich für das nette Gespräch.

 

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Bilder:

1. "Gulliver in NY"

2. "Neid und Missgunst"

3. "Be a Superstar"

4. "Sehen Sie die untere Reihe?"

 

 

HOMEPAGE

 

Pavel Kaplun bewegt sich auf den vielfältigsten Pfaden. Mehr über seine Arbeit, sein Workshopangebot und seine Fotoreisen unter dem Motto "Travel with Pavel" kannst Du auf seiner Homepage erfahren!