Peter Rathmann

Der stumme Dialog mit den Dingen

 

(Alle Fotos: © Peter  Rathmann)

 

Spargel, Birnen, Burger und Scampi sehen ungemein appetitlich und ästhetisch aus, die uns auf Postern und Verpackungen in Supermärkten, auf Plakatwänden sowie in Magazinen in Hochglanz begegnen. Doch die wenigsten Speisen hätten wir nach einem Food-Shooting tatsächlich noch essen können, berichtet der erfahrene Food-Fotograf Peter Rathmann. Sowohl für Werbeaufnahmen als auch redaktionelle Fotostrecken wird der Spezialist sehr gerne gebucht. Im quucy-Interview verrät er Dir Profitricks, die Du auch mit kleiner Ausrüstung nachmachen kannst. Du erfährst, wie Peter Rathmann seine Shootings und die Lebensmittel dafür vorbereitet. Anschaulich erklärt der Food-Spezialist, bei welchem Licht Obst, Gemüse und Co besonders gut zur Geltung kommen.

 

Weder die lecker, kross aussehende Bratwurst noch das gold-braun anmutende Stück Fleisch sind richtig durchgebraten, und zudem werden sie kalt fotografiert, bestätigt Peter Rathmann die leise Vorahnung, die wir als Konsumenten haben. „Die ‚Streifen vom Grill’ auf der Wurst entstehen durch heiße Metallstäbe, die darauf gedrückt werden. Fleisch wiederum erhält seine appetitliche Färbung durch Hinzugeben von Lebensmittelfarbe – per Airbrush beispielsweise“, stellt der Profifotograf klar. Den nötigen Glanz bekommt ein Lebensmittel etwa durch das Bepinseln mit Öl. Nicht selten kommt außerdem Acrylflüssigkeit zum Einsatz, zum Beispiel zum Präparieren von Eis sowie zur Betauung von Flaschen.



Akribische Vorarbeit

Da sind wir schon mitten drin bei den akribischen Vorbereitungen eines Lebensmittel-Shootings. Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück: zum sorgfältigen Zusammenstellen und damit Einkaufen der Lebensmittel. „Für Aufnahmen benötige ich einen prall gefüllten Warenkorb – dabei habe ich lieber etwas mehr Auswahl – und je nach Aufgabenstellung einiges an Kräutern, Süßigkeiten und Obst, wie Zitronenscheiben, zum Gestalten", erzählt Peter Rathmann. Wieder zurück im komfortabel und mit allen erdenklichen Lichtformern sowie Blitzanlagen hoch professionell ausgestatteten Studio geht es an die Feinarbeit. Daran angeschlossen ist übrigens eine voll eingerichtete Küche mit Töpfen, Geschirr und Holzbrettern, Besteck und allen nötigen Requisiten.

 

Bevor das Shooting los gehen kann, vermittelt Peter Rathmann den Food-Stylisten, die die Lebensmittel präparieren, anrichten und arrangieren, seine visuelle Vision bzw. die des Kunden. Diese gilt es, gestalterisch umzusetzen. „Dabei kommt es auch immer wieder vor, dass ich auf eine spontane Idee eingehe, die das bestehende Konzept erweitert.“ Dadurch bleibt die Arbeit lebendig und spannend. „Es ergibt sich beispielsweise, dass eine Zitrone besser wirkt als eine Limette oder Salbei besser als Koriander“, verdeutlicht Rathmann. Generell überlässt der Perfektionist bei seinen kunstvoll angerichteten Bildkompositionen nichts dem Zufall, sondern arbeitet äußerst präzise: Und wenn es sich um ein fehlendes Pfefferkorn handelt, das er hinzufügt. Oder ein Spargelstiel noch etwas gekürzt werden muss. „Das alles erfordert natürlich viel Geduld“, stellt er klar.

Wenn es sich nicht um freie, sondern um Auftragsarbeiten handelt, muss er sich an Vorgaben des Kunden halten sowie an das Bildformat, erklärt er mit einem Lächeln in der Stimme. „Was die Gestaltung und Ideenfindung angeht, bin ich recht frei bzw., wenn es sich um einen Auftrag handelt, involviert." Seine Kunden schätzen sowohl seinen Rat als auch seine Erfahrung.

Nicht zuletzt die präzise Vorarbeit, dieser „stumme Dialog mit den Dingen“ wie er es nennt, ist es, die Peter Rathmann an der Food-Fotografie fasziniert. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt er sich fast ausschließlich mit diesem Genre, zuvor war er bereits auf die Stilllife-Fotografie spezialisiert. „Man hat es mit einer lebendigen Materie zu tun. Denn sowohl Obst und Gemüse als auch Fleisch, Soßen sowie Eis sind vergänglich. Diese Lebensmittel so zu inszenieren, dass diese eine zeitgemäße Neuinterpretation erfahren, ist Faszination und Herausforderung zugleich. Und sie müssen natürlich appetitlich und begehrlich aussehen“, fügt Peter Rathmann hinzu. „Von Haus aus sexy ist Obst.“ Da genügt es, die schönsten Exemplare einer Sorte auszusuchen in Bezug auf Helligkeit und Farbgebung. Das Gleiche gilt für Gemüse. „Weißer Weichkäse hingegen stellt eine Herausforderung dar, wie man ihn durch Licht in Szene setzt“, weiß der Profifotograf aus langjähriger Erfahrung.

Das Food-Shooting: Der Star ist das Lebensmittel

Da in der Food-Fotografie der Fokus auf das Lebensmittel gerichtet ist, achtet Peter Rathmann darauf, dass die Umgebung nicht vom Produkt ablenkt. „Ich halte nichts von opulenten, detailverlorenen Aufbauten“, betont er. Seinen Stil beschreibt er als gradlinig, schnörkellos und reduziert. Kräftiges, charaktervolles Licht ist ein weiteres Kennzeichen seiner Bilder. Dafür arbeitet der Studiofotograf sowohl gerne mit Seitenlicht als auch mit Licht, das von unten kommt. Als Beispiel hierfür führt er sein Salatbild an. Diese Aufnahme hat er mit hartem Licht von oben fotografiert. Die Salatblätter lagen auf einer lichtdurchlässigen Plexiglasplatte, die von unten beleuchtet wurde. Spiegel, die seitlich platziert waren, sorgten für noch mehr Aufhellung. Je nach Motiv setzt er auch auf extremes Gegenlicht, das für starke Kontraste sorgt.

In der Regel arbeitet er mit Großformatkameras, fixiert auf ein Studiostativ. So befestigt, kann Peter Rathmann in Ruhe den perfekten Ausschnitt wählen und sein Bild durch den Kamerasucher gestalten. Zur genauen Beurteilung und um alle Feinheiten zu erkennen, werden die Bilder sofort nach dem Auslösen auf den Computer übertragen und können auf dem Monitor geprüft werden. Auf diese Weise ist auch das Kartoffelbild für ein Lebensmittelmagazin entstanden. „Für redaktionelle, aber auch werbliche Arbeiten berücksichtige ich im Bildaufbau immer, dass noch Freiraum für den möglichen Einsatz von Schrift vorhanden ist“, so Rathmann. Gewünscht war vom Auftraggeber ein Eyecatcher als Einstieg in das Thema „Kartoffeln“.

 

Normalerweise sehen Erdäpfel trocken, staubig und dunkel aus, also nicht von Natur aus „sexy“. Um diesem Eindruck entgegen zu wirken, entschied sich der Food-Spezialist dafür, die zuvor farblich präparierten Kartoffeln mit Wasser zu begießen. „Wenn dieses auf die Kartoffeln trifft, sieht das spannend und lebendig aus.“ Das Sieb, auf dem das Gemüse lag, wurde an einem Stativ mit Klemmen befestigt, während der Hintergrund mit schwarzem Samt abgehängt wurde. Die Kamera wiederum wurde auf der gleichen Höhe wie das Abtropfsieb fixiert. „Es waren einige Testschüsse nötig“, verrät Rathmann, „bis das Wasser mittig durch den verwendeten Trichter auf die Kartoffeln traf. Dabei kam es auf die Intensität des Wassereinfüllens an“, erläutert er. Was das Licht anbelangt, entschied sich der Profifotograf für ein raffiniertes seitliches Licht. Um Reflexe im Wasser sichtbar zu machen, setzte er außerdem einen Reflektor mit Wabe ein sowie ein Striplight – dabei handelt es sich um ein langes, schmales und weiches Licht, erzeugt durch zwei Stabblitzröhren. „Bei punktuellem Licht wäre das Wasser hingegen nicht so gut sichtbar geworden“, erklärt er.

Tipp

Abschließend macht der Profifotograf deutlich, dass sich auch mit ein bis zwei Lichtquellen hervorragend in der Food-Fotografie arbeiten lässt, auch draußen. Er empfiehlt FotografInnen, die sich für dieses Genre interessieren, für den Anfang einen einfachen Aufbau: „Für ein Bild, wie das der Salatblätter, genügt bereits eine kleine Glasplatte, die auf zwei Tischböcke gelegt wird“, sagt Peter Rathmann am Ende unseres Gesprächs. <ck>

 



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