Im Gespräch

Toma Babovic: The Spirit of photography

 

Die Architekturfotografie mit ihrer spannenden Motivwelt und unerschöpflichen Vielfalt regt viele erfahrene Profis, wie den renommierten Profifotografen Toma Babovic (www.babovic.de) an, in diese Materie einzutauchen, sich mit dem Motiv auseinanderzusetzen und es auf verschiedenste Weise wiederzugeben.

 

Kein anderes Medium kann das Aussehen und die Wirkung eines Gebäudes besser transportieren als eine gelungene Architekturaufnahme. Uns haben u. a. die fantastischen Bilder von den „Floating Homes“ von Toma Babovic (www.floatinghomes.de) beeindruckt. Wir haben Herrn Babovic getroffen und mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

 

Frage:  Herr Babovic, Sie sind ein sehr renommierter People-, Landschafts- und Architekturfotograf. Für was für Kunden arbeiten Sie?

Toma Babovic:  Zu meinen Kunden gehören Buch- und Kalender-Verlage, Magazine und Wochenzeitschriften, sowie Werbeagenturen Architekten, Industrie-und Privatkunden.

 

Frage: Uns haben Ihre Aufnahmen für den Kunden der „Floating Homes“ sehr beeindruckt. Sie sind nicht nur sehr modern in der Bildsprache sondern wirken auch authentisch. Wie gehen Sie an so ein Thema heran?

Toma Babovic: Ich habe die Bauphase der Hausboote aktiv begleitet, d. h. ich war in unterschiedlichen zeitlichen Abständen vor Ort und konnte mich mit der Entstehung und Architektur der Floating Homes genauestens auseinandersetzen. Meine Bilder von der Bauphase benötigte mein Kunde zu Dokumentationszwecken. Sie sollten möglichst neutral  und wertungsfrei sein. Für den Verkaufsflyer und die Homepage der Hausboote benötigte mein Kunde emotionalere Aufnahmen, um das moderne Design- und Lifestyle-Konzept der Hausboote potenziellen Kunden zu vermitteln. Die Aufnahmen sollten einen künstlerischen wie auch werblichen Aspekt beinhalten. Daraufhin habe ich entschieden, den künstlerische Aspekt nicht zu übertrieben, sondern durch geschickte Bildausschnitte, Details und atmosphärische Bildgestaltung, ein modernes Wohngefühl zu vermitteln.

 

Frage: Was macht für Sie eine gute Architekturaufnahme aus?

Toma Babovic: Eine gutes Architekturfoto lebt von einem durchdachten Bildaufbau und einer unmittelbaren Bildsprache. Ist die Architektur zum Beispiel zentrales Moment der Bildaussage, so dürfen keine anderen Elemente - wie Personen, Fahrräder und Autos - stören oder den Bildaufbau dominieren. Anders ist es, wenn ich für Verlage arbeite. Vor geraumer Zeit habe ich für den DuMont Verlag ein Projekt über die verschiedensten Sehenswürdigkeiten im Raum Weser Elbe umgesetzt. Dort ging es u. a. darum, die Schönheit der Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten mit Leben zu füllen um die Lust zu wecken, die Region mit dem DuMont Bildatlas (http://shop.dumontreise.de) zu erkunden. 

 

Frage: Welche Architektur eignet sich aus Ihrer Sicht besonders als Motiv?

Toma Babovic: Das kann man so nicht sagen. Generell eignet sich jedes Gebäude, sei es auch noch so alt. Ein gutes Architekturmotiv zeichnet sich nicht automatisch durch die Beschaffenheit des Gebäudes aus. Entscheidend für die Qualität der Abbildungen ist die Art und Weise, wie Architektur bildlich umgesetzt wird. Die ideale Herangehensweise kann je nach Gebäudetyp komplett unterschiedlich ausfallen. Über den Jahreswechsel war ich auf der grünen Insel „Neuseeland“. Die moderne Architektur von Neuseeland unterscheidet sich deutlich zu unserer Bauweise in Deutschland. Denken sie z. B. an die schönen Fachwerkhäuser im Alten Land oder die unterschiedlichen Architekturrichtungen in Berlin. Vor über zwei Jahren war ich in Namibia und habe dort u. a. die Lehmhütten der Einheimischen fotografiert.

 

Frage: Wie setzen Sie die Architekturfotografie grundsätzlich um?

Toma Babovic: Generell bedeutet Architekturfotografie einen dreidimensionalen Raum in eine zweidimensionale Abbildung zu übertragen. Räumlichkeit und Tiefe des Motivs darf dabei nicht verloren gehen. Hier ist es sehr wichtig sich mit den unterschiedlichen Tageslichtverhältnissen vor Ort vertraut zu machen. Licht, Schatten, Lichteinfälle, Lichtwinkel, oder Nachtaufnahmen das entscheide ich nach einer vorherigen in Augenscheinnahme des Objektes.

 

Frage: Kann man bei Ihnen auch als ambitionierter Fotograf Fotokurse belegen?

Toma Babovic: Ja, ich habe z. B. Fotoworkshops auf dem Umwelt-Fotofestival Horizonte in Zingst gegeben und auch mit Studenten der HfK in Bremen an unterschiedlichen Themen gearbeitet. Aktuell planen wir an neuen Fotokursprojekten die ab dem Frühjahr 2016 in Bremen stattfinden werden.

 

Frage: Welche Art von Fotografie liegt Ihnen mehr - die Landschaft-, People- oder Architekturfotografie?

Toma Babovic: Das kann ich so nicht sagen. Ich reise gern und lerne dabei die Sitten und Gebräuche anderer Kulturen kennen. In meinen Aufnahmen möchte ich meine Eindrücke in authentischen Bildern dem Betrachter vermitteln. Dabei kann es sich genauso um eine Architektur-, Landschaft- oder Portraitaufnahme handeln. Wichtig ist, dass man das Besondere des Moments zum Ausdruck bringt. Im Oktober werde ich nach Australien reisen und einen größeren Fotoauftrag für ein Reisemagazin umsetzen. Dabei ist es wichtig die Vielfalt  Sydneys und der Ostküste in lebendigen Bildern zu erzählen. Die Vielseitigkeit eines Reisemagazins kommt meinen Stärken sehr entgegen. Ich kann in der Reportage nahe am Menschen sein und eine Geschichten erzählen. Das Licht und die Form der Landschaft eindrucksvoll in Szene setzen und mich einer Architektur ganz individuell nähern.

 

Frage: Haben Sie für unsere User noch einen besonderen Tipp, was sie bei der Architekturfotografie vielleicht mal ausprobieren sollten?

Toma Babovic: Ja, zunächst einmal sollte man sich in Ruhe einer Architektur von allen Seiten nähern um seine Standpunkte zu wählen. Eine geschickte Bildkomposition mit extremen Bildausschnitten kann die Gebäuderealität in einer Darstellung stark verfremden. Ein kreativer Fotograf hat durch selektives Hervorheben eines eng begrenzten Bereichs die Möglichkeit Architekturfotografie sehr reduziert und stilisiert wiederzugeben. Wenn ich interessante Strukturen entdecke, fotografiere ich auch schon mal gerne extreme Bildausschnitte. In der Regel aber, sollte man eine Architektur zu einer Skulptur erheben.

 

Herr Babovic, vielen Dank für das interessante Interview.

 

 

Homepage

 

 

Mehr über die besondere Art der Architektur-Fotografie erfährst auf der excelent gestalteten Hompage von Toma Babovic:
http://www.babovic.de/