Im Gespräch

Wiebke Haas: Models auf vier Beinen

 

Wiebke Haas (http://www.wiebke-haas.de/) liebt Tiere zu fotografieren. Egal ob es sich um verschmuste Katzen im Körbchen, tobende Hunde in Aktion oder das Lieblingspferd auf der Weide handelt. Frau Haas lichtet jeden Vierbeiner von seiner Schokoladenseite ab. Uns haben Ihre Tierportraits begeistert – egal ob es sich um ein Charakterportrait oder das Festhalten der liebevollen Situation von Stute von Fohlen handelt. Wir sprachen mit Wiebke Haas, um Euch Sie und Ihre Arbeiten näher vorzustellen.

 

Frage: Frau Haas, wie kamen Sie zu der Tierfotografie?

Wiebke Haas: Angefangen hat alles mit den Pferden aus der Nachbarschaft. Ich begann mit etwa 14 Jahren mit dem Reiten und war sehr schnell Feuer und Flamme für die Pferde. Neben der Zeichnerei von Pferden und anderen Tieren, beschäftigte ich mich auch mit der Fotografie. Zuerst hatte ich eine kleine Kompaktkamera, so wie vermutlich jeder angehende Fotograf, die mir nach kurzer Zeit schon nicht mehr ausreichte. Ich wollte unbedingt qualitativ hochwertige Bilder machen, wie ich sie aus Pferdezeitschriften und dem Internet kannte. Und so sparte ich auf meine erste DSLR. Meine ersten Motive waren mein eigener Hund, die Pferde und später dann die Haustiere von Freunden und Bekannten. Menschen oder andere Motive haben mich eigentlich noch nie interessiert.

 

Frage: Frau Haas, mit welcher Kamera fotografieren Sie Ihre Vierbeiner? 

Wiebke Haas: Mittlerweile fotografiere ich mit der Canon 1DX. Der tolle Sensor, die Geschwindigkeit des Verschlusses sowie das stabile Gehäuse sind Faktoren, auf die ich nun ungern verzichten möchte. Aber der Body ist am Anfang nicht so entscheidend - es gibt genug Auswahl in den Einsteigerklassen. Wichtiger ist die Wahl einer guten Linse. Mein Teleobjektiv, das Canon 70-200mm f/2.8, war nach meiner ersten DSLR Kamera die nächste große Anschaffung. Die Linse benutze ich heute noch, die Canon 1DX ist jedoch schon mein dritter Kamerabody.

 

Foto: Frank Reußner

Frage: Wie gehen Sie auf das Thema Bildgestaltung bei einem Fotoshooting mit Tieren ein?

Wiebke Haas: Es ist nicht leicht, sich im Vorfeld schon einen kompletten Plan zu erstellen. Natürlich braucht man eine Grundidee von der Bildaussage, die man treffen möchte. Doch am Ende spielt die Kooperationsbereitschaft des Tieres eine entscheidende Rolle. Man muss flexibel sein, gerade, wenn das tierische Model sich für einen anderen Weg oder eine andere Umsetzung entscheidet. Dennoch beachte ich die bewusste Anordnung von Linien, Flächen, Formen, Farben und Kontrasten. Der Bildaufbau wird dann meistens aber erst in der Bildbearbeitung verfeinert und betont. Beim Shooting selbst muss ich mir eine Grundlage schaffen: Licht, Hintergrund, Motiv müssen so gut es geht zueinander passen, der Rest ist das "Feintuning" in Photoshop.

 

Frage: Tiere bewegen sich meisten sehr schnell. Wie können Sie sie im Bild perfekt festhalten?

Wiebke Haas: Am einfachsten ist es, wenn man dem Tier eine konkrete Laufbahn vorgibt. Bei Hunden ist es einfach: Man kann sie absetzen und abrufen. Bei Pferden muss man erahnen, in welche Richtung sie wahrscheinlich laufen werden. Meistens sind es Weideeingänge oder die Herde auf der Nachbarskoppel. Wenn man das weiß, kann man sie an einem Startpunkt loslassen und sie auf dem Weg zu ihrem Ziel fotografieren. Ein schneller Motor im Objektiv, ein sicherer Autofokus und eine recht schnelle Serienbildfunktion in der Kamera sind dabei sehr nützliche Helfer. Zumindest auf die ersten beiden Faktoren möchte ich nicht verzichten. Eine langsame Serienbildfunktion kann man über gezieltes Auslösen in der richtigen Phase ausgleichen. Das erfordert allerdings Übung und eventuell auch mehrere Durchläufe. Ich bin mittlerweile froh, dass meine Kamera so schnell ist. Ich habe mein Bild damit wesentlich schneller im Kasten.

 

Frage: Fotografieren Sie lieber Tiere in freier Natur oder im Studio?

Wiebke Haas: Ich mag beide Varianten sehr gerne. Beim Outdoorshooting kann man mit der romantischen Abendsonne spielen und das Model kann seine ganze Power beim Toben zeigen. Anspruchsvoller und "tiefgründiger" finde ich jedoch die Arbeit im Studio, die mittlerweile auch mehr oder weniger zu meinem Markenzeichen gehört. Hier muss ich das Licht setzen und formen, Muskeln und Sehnen betonen und den Charakter des Tieres herauskitzeln. Alles ist auf das Tier als solches reduziert und der Betrachter entdeckt vielleicht Eigenschaften, die sonst verborgen geblieben wären. Die Arbeit im Studio ist auch für die tierischen Models anspruchsvoller: Sie müssen alle gefragten Motive auf kleinstem Raum umsetzen. Mit genug Belohnungen sind meine Models dabei aber stets sehr entspannt und kooperativ.

 

Frage: Welche Tierart fotografieren Sie am Liebsten?

Wiebke Haas: Momentan sind dies wohl die Pferde. Ich bin einfach fasziniert von den Tieren. Allerdings werde ich auch meistens für Pferdeshootings gebucht. Ein paar Bilder für die Reitbegleithunde fallen aber auch immer wieder an. Es sind auch schon einige Fotoprojekte mit anderen Tierarten geplant. Ich will mich nicht nur auf Pferde beschränken.

 

Frage: Ihre Tierportraits sind sehr ausdrucksstark und emotional. Wie gelingt Ihnen das?

Wiebke Haas: Am wichtigsten ist, dass man für Mensch und Tier eine angenehme Atmosphäre schafft. Der Tierhalter sollte nach Möglichkeit entspannt sein, da sich seine Nervosität auch auf das Tier überträgt. Ich muss mit ihm klar und verständlich kommunizieren, da er meine Anweisungen und Wünsche mit dem Tier umsetzen muss. Hektik bringt meistens gar nichts, auch wenn gerade bei Outdoorshootings das Licht nie wartet und man sehr schnell ein Wunschmotiv umsetzen muss, da sonst die Sonne verschwunden ist. Bei Portraits drücke ich dann meistens "zwischen den Motiven ab". Ich erkläre das gewünschte Motiv, aber meistens sind es genau die Bewegungen und Ausdrücke beim Positionieren selbst, die eine Geschichte erzählen. Außerdem hilft eine sehr offene Blende, um unwichtige Hintergrundinformationen verschwimmen zu lassen und den Blick auf das Motiv zu fokussieren.

 

Frage: Frau Haas, Sie haben gerade das Buch „Animal Soul“ veröffentlicht, in dem Sie viele Tipps zur Tierfotografie geben. Wo könnten unsere User das Buch beziehen?

Wiebke Haas: Ja, es ist vor geraumer Zeit in Franzis Verlag erschienen und kostet 29,95 Euro. Wer aber auch gern einen Fotokurs bei mir belegen möchte, den kann ich nur empfehlen, sich einmal auf meiner Homepage www.wiebke-haas.de umzusehen. Ich gebe sowohl Outdoorwokshops für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene.

 

 

Frau Haas, vielen Dank für Ihre Zeit und die tollen Tipps.    

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